dk auf Tour – Half The Kooks, Fußball und Jim Beam

Ob hr1, hr3 oder youfm – für die (recht unterschiedlichen) Hörer der jeweiligen Welle sind Tickertverlosungen für intime Studiokonzerte immer ein echter Bonus. Gestern spielten The Kooks einen Tag vor ihrem ausverkauften Konzert in der Jahrhunderthalle für you fm-Gewinner im Big Band-Studio des HR und alle Beteiligten hatten ihren Spaß daran. Von Moderatorin Raffaela Jungbauer auf die Stars eingeschworen, wurden die Briten euphorisch empfangen. Luke Pritchard und Hugh Harris schlurften von ihrem Roadmanager begleitet lässig gen Bühne, der Sologitarrist mit Hut, der schmächtige Sänger mit einer zu seiner Körpergröße passenden Mini-Akustik-Gitarre. Noch immer – mit 21 und 23 – milchgesichtig wie beim Batschkapp-Konzert vor 2 ½ Jahren bei der Visions-Tour, aber irgendwie auch souveräner und professioneller, kein Wunder, Festival-erfahren wie die erfolgreichen Youngsters inzwischen sind. ‘dk auf Tour – Half The Kooks, Fußball und Jim Beam’ weiterlesen

Willy Brandt auf Katzendeutsch

Erstaunlich wie lange eine vierte Klasse ruhig zuhören kann. Und dann noch bei einer Geschichte mit derartigem Vokabular. Willy Brandt, Bundestag und Inflation. Doch als das Wort „Katzendeutsch“ fällt, geht ein lautes, gemeinsames Gekichere durchs Klassenzimmer. Das ist nämlich außer Norwegisch und Englisch eine der Sprachen, die Billy der Kater fließend beherrscht. Billy ist der Protagonist des Buches, das die 4a der Schule am Hang in Enkheim vorgelesen bekamen. Und dies nicht etwa von Frau Benecken, der Klassenlehrerin, sondern von einem Ehrengast: dem Abgeordneten Michael Paris (SPD), seit gestern ohne Landtag einigermaßen heimatlos. Da schau her. Hat man ja nicht alle Tage, dass sich ein Politiker in den Unterricht setzt und einer Klasse aus einem Buch vorliest. ‘Willy Brandt auf Katzendeutsch’ weiterlesen

Hilfe, die Erdmännchen kommen!

Heute startet in den Kinos der neue Tier-Dokumentarfilm “Wächter der Wüste” über eine Horde Erdmännchen in der Kalahari-Steppe. Im aktuellen JOURNAL FRANKFURT können Sie dazu eine ausführliche Kritik lesen, der ich an dieser Stelle allerdings eine gute Nachricht hinzuzufügen habe.

In meiner Besprechung bemängele ich den deutschen Kommentar des Sprechers Rufus Beck, bekannt als Stimmenvirtuose der Harry-Potter-Hörbücher. So sahen sich die deutschen Synchron-Verantwortlichen wohl genötigt, dessen Talent auf den im Original vom kürzlich verstorbenen Paul Newman gesprochenen Begleittext zu übertragen. Was dazu führte, dass — zumindest in der Version, die mir zugänglich gemacht wurde — Beck nun mit verstellter Stimme den armen Wüstenviechern putzig-niedliche (sprich: saudoofe) Dialoge in die behaarten Mäuler legte — klar, die kleinen Kerlchen konnten sich ja nicht wehren. ‘Hilfe, die Erdmännchen kommen!’ weiterlesen

„Frankfurts fruchtbare Mütter“

OK, natürlich freuen auch wir uns angesichts des demographischen Wandels, dass die Zahl der Neugeborenen in Frankfurt mit 7.055 im Jahr 2007 so hoch war wie seit 40 Jahren nicht mehr. Aber die Formulierungen in der dazugehörigen Pressemitteilung des Städtischen Presseamtes (die Überschrift dieses Beitrags stammt daraus) kommen uns teilweise dann doch ein wenig – sagen wir – archaisch vor.

Zahl der lebend Geborenen steigt erstmals seit langer Zeit wieder über die 7000er-Marke

(pia) Frankfurt am Main ist eine Boomtown, eine Babyboomtown. Im vergangenen Jahr 2007 haben Frankfurter Mütter insgesamt 7.055 Kinder zur Welt gebracht, 336 Babys mehr als im Jahr zuvor. „Die Zahl der lebend Geborenen erreicht damit den höchsten Stand seit dem Jahr 1969, in dem 7.512 Kinder in Frankfurt geboren wurden“, freut sich der stolze Vater dieser positiven Zahlen vom Nachwuchs, das Bürgeramt, Statistik und Wahlen.

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Theater der Eitelkeiten

Wie soll man so einen Text anfangen? Wie soll man über solch eine Podiumsdiskussion schreiben, die zu 90 Prozent am Thema vorbeiging. Es ging nicht ums Volkstheater an sich, es ging vor allem um das Frankfurter Volkstheater gestern Abend im Holzhausenschlösschen, um die Querelen, Unwägbarkeiten und einen ganzen Jahrmarkt der Eitelkeiten. Vielleicht mit einer harmlosen Anekdote beginnen?

Die Geschichte kommt aus Hamburg. Da wurde einst, über hundert Jahre ist es her, im St.-Pauli-Theater der Faust gegeben, doch das Publikum war mit dem Ausgang gar nicht zufrieden. Gretchen soll sterben? Was soll das? Das Volk ist aufgebracht, der Chefdramaturg betritt die Bühne, es zu beruhigen, versucht zu erklären, Goethe habe das so geschrieben, doch es hilft nichts, wer ist denn dieser Goethe überhaupt und schließlich werden Sprechchöre angestimmt. “Heiraten! Heiraten! Heiraten!” Und so kommt es dann auch. ‘Theater der Eitelkeiten’ weiterlesen

Wenn Kamelen ein Licht aufgeht

Einen kleinen Vorgeschmack auf Weihnachten gab es heute Vormittag auf dem Römerberg. Ein Pulk Menschen hatte sich unter der Tanne am Römer versammelt und starrte gebannt nach oben. Ein skurriles Bild, wenn man bedenkt, dass nicht nur richtige Menschen am Baumstamm standen, sondern auch die Krippenfiguren für den Weihnachtsmarkt. Welche Stadt kann schon von sich behaupten, dass ein Kamel vor ihrem Rathaus steht?

„Hoffentlich gehen die Dinger an“, murmelte Thomas Feda, Geschäftsführer der Frankfurter Tourismus + Congress GmbH. Er meinte die nigelnagelneue Beleuchtung der von der Kulturhauptstadt 2009 Linz gespendeten Tanne vor dem Römer und er wurde erhört..

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Kaufhof gibt sich die Kugel

Weihnachtsbaumschmücken mach ich ja sehr gerne, aber von diesem Schmuck würd ich wirklich meine Finger lassen. Sollte mir diese Kugel nämlich runterfallen und ich sogar noch drauf treten, dann wird’s teuer. Im Gegensatz zu dem verstaubten Plastikmist, der bei uns auf dem Dachboden liegt, geht es hier um eine burgundfarbene Glaskugel mit Diamanten besetzt und mit Gold verziert. Deshalb wird sie auch in einer Panzerglasvitrine von zwei Securitymännern bewacht. Fern von ungeschickten Fingern. Besetzt ist das Ding mit sage und schreibe 120 Diamanten. Und der Dekorkäfig ist aus 12-karätigem Gold. Meine Güte! Wer braucht so was?

Die „Wertvollste Weihnachtskugel“ wird auch sicherlich nicht als übliche Baumverzierung herhalten. Bei einem Schätzwert von 10.000 Euro müsste es auch ein Baum aus Platin sein, damit die Relation stimmt. Bis zum 22. November kann man das Prachtstück in der Galeria Kaufhof persönlich bewundern. Sollte da trotz Finanzkrise und Löcher in den Nikolaussocken – die Zeil ist ja anscheinend doch belebt und von kauflustigen Hessen überfüllt wie jedes Jahr vor der Weihnachtszeit – sollte sich also trotz alldem doch einer in die Luxuskugel verliebt haben, so ist sie ab dem 12. Dezember über eBay ersteigerbar. ‘Kaufhof gibt sich die Kugel’ weiterlesen

dk auf Tour – Rachel Unthank & The Winterset und ihr erstes Mal

Kurzfristig sah die Wetterlage – wie schon im Frühjahr – eher danach aus, als könne das Konzert von Rachel Unthank & The Winterset wieder verschoben oder gar abgesagt werden. Aber dann kam es gestern doch zu einem überraschenden Wintereinbruch in der Brotfabrik, für den sich aber alle, die nach Hausen gekommen waren, erwärmen konnten.

Schon bei ihrem ersten Auftritt als Band in Deutschland machten sich die jungen Damen aus Northumberland die Mühe, ein paar Brocken Deutschen in die Ansagen zu streuen. Das kommt immer gut an, besonders dann, wenn es nicht abgefuckt professionell wie bei Amis wirkt, sondern wirklichem Interesse entspringt. Und der Lust an der Kommunikation. Und dafür haben sich die Unthanks, Rachel (Gesang, Cello) und Schwester Becky (Gesang), die richtige Musik ausgesucht: Folk. Und den (er)lebten sie von klein an in der eigenen Familie, der ist in Fleisch und Blut übergegangen, wird aber nicht traditionell gepflegt und wiedergekäut wie das viele viele Kollegen auf der Insel (und anderswo) sicher gerne tun. Sie finden – wenn auch mal das eine oder andere Traditional aus der eigenen, nordostenglischen Region oder aus Schottland, Irland (wunderbar a cappella vorgetragen von Fiddle- und Akkordeonspielerin Niopha Keegan) oder gar den Shetlands (gesungen in einer altnordischen Sprache, dem Dialekt Norn). ‘dk auf Tour – Rachel Unthank & The Winterset und ihr erstes Mal’ weiterlesen

Wer und wo ist Ali?

Manchmal sitzt man als Zuhörer vor den Schranken des Hohen Gerichts und wundert sich einfach nur. So in diesem Fall: Angeklagt ist Herr I., ein bulliger Mann mit schlechter Haut und kahlrasiertem Kopf, 30 Jahre alt. Würde man ein Adjektiv suchen, um ihn zu beschreiben, man würde sehr schnell auf „brutal“ kommen. Schon die Anklage klingt recht diffus: Herr I. soll einem Mann, dem er einen Kiosk verkaufen wollte, eine Pistole unter die Nase gehalten und 8000 Euro abgenommen haben. Herr I. sagt, dass er weder jemals einen Kiosk habe verkaufen wollen noch eine Waffe besessen habe, und hat im Übrigen nicht die geringste Ahnung, warum er eigentlich hier ist.

Nun wird’s noch konfuser: Auftritt Herr G., der vermeintliche Kioskkäufer, der behauptet, an Herrn I. durch einen anderen Kioskbesitzer in Bockenheim vermittelt worden zu sein. Den nennt Herr G. konsequent „Ali“, obwohl er in Wahrheit ganz anders heißt – wenn er es denn überhaupt ist. ‘Wer und wo ist Ali?’ weiterlesen

Keine Termine

Die Titanic sorgt sich um den Terminkalender des neuen SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel: der ist nämlich leer. Doch Schäfer-Gümbel ist damit keineswegs allein. Andrea Ypsilanti zum Beispiel hat ebenfalls nichts vor.

Immerhin erfährt man auch, was Frau Ypsilanti stattdessen macht:

Andrea Ypsilanti lebt mit ihrem Partner und dem gemeinsamen Sohn im ländlich geprägten Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach. In ihrer Freizeit schätzt die leidenschaftliche Köchin spannende Literatur und Kunst.

Silke Tesch hat ihre Homepage gleich komplett geleert, doch über Google findet man die Seiten noch. Darunter auch die Liste von Stimmen zu ihrer Wiederwahl, die nach den Ereignissen der vergangenen Wochen doch recht seltsam anmuten. Der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Gregor Amann sagt dort etwa:

Ich habe Silke Tesch als sehr engagierte und absolut zuverlässige Landtagsabgeordnete kennnengelernt, die sich immer und überall für ihren Wahlkreis und für Hessen engagiert. Sie hat es verdient, wiedergewählt zu werden.

Aber Amann befindet sich in guter Gesellschaft: auch Carmen Everts macht mit. Und Jürgen Walter (”…mit SPD- Abgeordneten, die so engagiert und erfolgreich für die Menschen in ihrem Wahlkreis arbeiten, haben wir eine gute Chance auf die Mehrheit”). Jürgen Walter ist sowieso ein gutes Beispiel: die letzte Aktualisierung seiner Homepage datiert auf den 29. April. War da was? Den Terminkalender hat Walter vorsorglich gleich ganz weggelassen. Sagen wir’s so: besser man schaut sich die Seiten hessischer SPD-Politiker nicht zuuu genau an. Nur eines heitert einen dann doch auf: das Fotoalbum von Dagmar Metzger – mit Bildern aus glücklicheren Tagen. Unklar bleibt, wie es weitergeht.