Rot-Grüne Wahlplakate

plakat_gruene Es ist gewiss nicht einfach nach kaum einem Jahr schon wieder neue Wahlplakate aus dem Boden zu stampfen, neue Sprüche, nicht das ewig Gleiche - aber was wäre schon dabei gewesen, die übriggebliebene Werbung erneut zu verwenden. Hätte man viel Geld und Papier sparen können. Immerhin: besonders viel Mühe und damit Zeit hat keine Partei auf ihre Gehwegsperren verwendet. SPD und Grüne haben mit zwei Plakaten besonders danebengegriffen - weil sie sich mit wenigen Federstrichen verändern lassen, wovon auch efrig Gebrauch gemacht wird (wir vermuten nichtausgelastete Jung-Unionisten dahinter). plakat_spdDie Grünen in Frankfurt haben davon Abstand genommen, das oben gezeigte Koch-Plakat in der Stadt aufzuhängen, weil sie lieber, so die offizielle Verlautbarung, mit Inhalten nicht mit Personen Politik machten. Großplakate mit dem Gesicht von Tarek Al-Wazir aufzuhängen, davor haben sie sich dann aber dennoch nicht gescheut. Die Kreativität in Bezug auf CDU-Plakate hält sich im Übrigen in engen Grenzen. Abgesehen von halber oder ganzer Zerstörung oder dem allgegenwärtigen Koch mit Bärtchen (vulgo Hessen-Hitler) haben wir nichts entdecken können, was irgendwie neu und aufregend wäre. Für die Wahl im kommenden Jahr (wir machen das doch jetzt in kürzeren Abständen, oder?) wünschen wir uns ehrlichere Sprüche. CDU: “Wählen Sie doch, was Sie wollen. Koch bleibt.” SPD: “Wirklich wieder SPD?” FDP: “Uns gibt’s auch noch.” Linke: “Keine Ahnung, woher das Geld dafür kommen soll.” Grüne: “Wir ändern auch nichts.”

Hessische Verhältnisse

klarheit

Der Anspruch, Kompetenz und Klarheit zu vermitteln, kann so leicht boykottiert werden und führt dann erst recht nur zu Verwirrung …

Zwischen moderner Kunst und Hochzeitsplanern

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Die Plattenindustrie wird auch 2009 jammern und die Medien weiter den Abgesang auf die klassischen Tonträger anstimmen. Die großen Labels haben ihren Niedergang selbst zu verantworten. Und die Medien könnten sich langsam mal wieder darauf kaprizieren, wieder das Besondere zu featurern. Wir wissen: das krasse Gegenteil ist das Fall, siehe zuletzt auch die Absetzung von „Der Ball ist rund“ und „hr3 Rebell“ bei hr3. Da scheint es fast vermessen, wenn sich ein Plattenhändler vergrößert und am 3. Januar in sein neues Ladenlokal einlädt. Aber Thomas Glück, Chef des Musikladens, ist keinTraumtänzer und weiß, was er tut. „30 Years in Rock“ ist sein Motto. Und sein Jubiläum feierte er im Herbst mit einer Party nebst Konzert im Sinkkasten, seinem ehemaligen Nachbarn. Das JOURNAL berichtete darüber. Jetzt findet man Glück und sein kongeniales Team in der Berliner Straße 6 (mehr Platz, viel Licht, geringere Miete, auch das gibt’s noch in Frankfurt) – direkt gegenüber dem MMK, dem Museum für Moderne Kunst wie er sein Klientel zur Orientierung wissen lässt. Und genau zwischen zwei Brautmodenläden und Hochzeitsaustattern um den Standort noch näher zu beschreiben, was für lustige Begegnungen sorgen kann, dann Glück ist Hard- und Classic Rock-Fan und zu seiner Kundschaft gehört auch der eine oder andere Heavy Metal-Freak. ‘Zwischen moderner Kunst und Hochzeitsplanern’ weiterlesen

Der indische Äppler

gericht2Ein Äppler ist, entgegen landläufiger Meinung, nicht etwa ein alkoholhaltiges Frankfurter Nationalgetränk (das heißt nämlich Schoppen oder Äppelwoi), sondern ein Mann, der Frauen ungefragt an die, naja, Äppel fasst. Herr S. wird beschuldigt, ein Äppler zu sein, obwohl er kein Frankfurter, sondern Inder ist. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, der seinerzeit 18-jährigen Zeugin P. vom Hauptbahnhof aus zu deren Wohnung gefolgt zu sein und sie im Aufzug in eindeutiger Weise bedrängt zu haben. ‘Der indische Äppler’ weiterlesen

Warum es 2009 nur besser werden kann

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Die Feiertage waren ruhig verlaufen für Herrn P. Er hatte sich mit einem neuen Hut beschenkt und es wie jeden Heiligabend genossen, die junge Dame von der Telefonseelsorge mit Schwänken aus seinem Leben aufzumuntern. Er war in menschenleeren öffentlichen Verkehrsmitteln durch die hell erleuchtete Stadt gefahren und dabei von einem leicht lädierten Hartz-IV-Empfänger um ein Autogramm gebeten worden. „Wie machen Sie das bloß?“, erkundigte sich der Mann. „Immer in der Bahn sitzen, des geht doch ins Geld.“ „Wissen Sie“, antwortete Herr P., „ich warte auf besseren Service. Ständig diese Fahrpreiserhöhungen, da muss er doch mal kommen.“ Sein Gegenüber lachte: „Da können Sie warten, bis Sie schwarz werden.“ „Oder schwarz fahren …“, rief er im Hinausgehen, „gutes neues Jahr!“
Apropos: Jedes Silvester ließ Herr P. genau eine Rakete steigen, und diesmal sollte es eine besondere sein. Im Fachhandel riet man ihm zum „Counter Striker XPO Megaforce III“, denn „den haben sie auch schon im Irak-krieg benutzt“. Klang gut, fand Herr P., aber das Ding war nur noch in einem Außenbezirk zu haben. ‘Warum es 2009 nur besser werden kann’ weiterlesen

Guten Rutsch!

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Happy Birthday, Ralf Scheffler

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Den Tortenanschnitt im Mousonturm noch mitgenommen, reichte es dank eines Lifts in einem schnittigen, neuen Mercedes-Cabrio doch noch, rechtzeitig vor Mitternacht in der Batschkapp aufzuschlagen. Die letzte Band des Tanzcafé 2008, Cellar d’Or, baute gerade auf und im Saal ging das Gerücht herum, Punkt 12 käme Ralf Scheffler auf die Bühne um „Freibier für alle“ zu verkünden. Und während die jungen Fans ihre Frankfurter Funkhelden feierten, wie sie in wirklichen hörenswerten Versionen den Beatles huldigten und etwas den „Taxman“ als deutschen Rap präsentierten, ließ sich der Batschkapp-Chef dann doch nicht mehr unten blicken. ‘Happy Birthday, Ralf Scheffler’ weiterlesen

Im Mousonturm wollten alle nur spielen

buroch_torte_kinsler_675„Wollen nur spielen“ sprang uns in den letzten Wochen ein tiefer gelegter, zähnefletschender und sehr offensiver Hund von Programmen, Plakaten und einer Einladung mit Schrift in lebendigem Giftgrün (was wie ein Widerspruch klingt. Aber ist das Leben, die Kultur, gelebte Kunst nicht ständig auch ein Widerspruch?) entgegen und erinnerte immer wieder an 20 Jahre Mousonturm und einen Festakt mit Empfang in der ehemaligen Seifen- und Parfümfabrik im Frankfurter Ostend. Im Umfeld des Mousonturm müssen solche Vokabeln nicht beängstigen. Denn obwohl vier Reden angekündigt waren und man den dafür geplanten Zeitrahmen um mehr als 50 % überzog – das Festliche geriet schon bei diesem offiziellen Teil – Sie erraten es – spielerisch.

semmelroth_kinsler_492ZuKT, der Tanzabteilung der HfMDK, blieb es mit einer Forsythe-Choreogaphie zu „The Loss of Small Detail“ vorbehalten, den Abend zu eröffnen. In einer Ästhetik, die Felix Semmelroth, Frankfurts Kulturdezernent vor vielen illustren Gästen, darunter seinem Vorvorvorgänger (hab’ ich richtig gezählt?) Hilmar Hoffmann („Kultur für alle“) , dem Förderer freier Gruppen im Kulturbereich (und somit Unterstützer der Mousonturm-Idee und von Buroch, gleich in seiner Lobrede aufgriff und auf den Turm übertrug. Vollkommen frei, locker, engagiert, mit echter, nicht politisch gespielter, echter Verbundenheit mit dem Haus, dazu sehr assoziativ und mit persönlichen Erinnerung gespickt hielt Semmelroth seine Lobrede, „meine Rolle heute hier“. „Und es gibt nur zu loben und zu preisen.“ Den späteren Intendanten als „legalen Besetzer“ der Fabrik lange vor Gründung des Hauses. Den Scout (wie im Fußball, selbst Talente im fernen Tatchikistan entdecken) mit großer Risikobereitschaft in Hinblick auf die Schaffung eines eigenen Profils. ‘Im Mousonturm wollten alle nur spielen’ weiterlesen

Mein Kinojahr 2008

brueggesehen

Es war ein gutes Kinojahr, das 2008-Jahr. Ein sehr gutes sogar. Ich habe in den ersten drei Monaten mehr großartige Filme gesehen als im gesamten 2007er-Jahrgang zusammen. Angefangen mit “Der Krieg des Charlie Wilson” über den fantastischen “Schmetterling und Taucherglocke” bis zu den beiden Oscar-Granaten “There Will Be Blood” und “No Country For Old Men” — großes, großes Kino, wobei die beiden zuletzt genannten als potenzielle Filmklassiker taugen.

Dasselbe tut auch, meiner bescheidenen Meinung nach, “The Dark Knight”, wahrhaft ein Über-Film, den zu toppen (in diesem Genre) nicht leicht sein wird. Ist mir schon lange nicht mehr passiert, dass ich über zwei Stunden lang derart vehement in den Kinositz gepresst wurde von der puren Wucht des auf der Leinwand Gezeigten. ‘Mein Kinojahr 2008′ weiterlesen

Finale Depression

spahnSilvester ist eine Krankheit. Meistens Brechdurchfall. Pünktlich zur großen Jahresend-Feier hat es mal wieder die Hälfte unseres Freundeskreises erwischt. Beliebteste Ausfallerscheinungen sind Mandelentzündung, Stirnhöhlenvereiterung oder eben der üble Magen-Darm-Virus! Auch ich habe mich ausgerechnet jetzt wieder irgendwo angesteckt. War ja klar! Schließlich benimmt sich der Norovirus wie die Weltwirtschaftskrise: Er kommt niemals im Hochsommer. Nein, viel schöner wird das Desaster doch erst, wenn die Grundstimmung unter Tiefnebelfeldern fröstelt. Eine fiese Jahreszeit! Angeblich gibt es die Dezember-Feiertage ja nur, damit vor lauter Winter-Depression nicht alle aus dem Fenster hüpfen. Die machen aber alles nur noch schlimmer. Da ist man Weihnachten tagelang mit der irren Verwandtschaft an den Baum gefesselt. Und muss schließlich mit einer einzigen Silvester-Party nachholen, was das ganze Jahr über verschnarcht wurde. Auch mein Mann hat hohe Ansprüche. ‘Finale Depression’ weiterlesen