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Charmeoffensive für Alt-Sachsenhausen

von Redaktion, 29. 1. 2010 · 5 Kommentare · Rubrik: Aufgeschnappt Beitrag drucken

Der CDU-Stadtverordnete Wolff Holtz wünscht sich eine Charmeoffensive für Alt-Sachsenhausen. Lesen Sie hier seine Empfehlungen, wie das Viertel noch zu retten ist:

In alte Zeiten versetzt fühlen sich Frankfurts Gäste in den schmalen Sträßchen und kleinen Plätzen mit Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäusern und Brunnen. In der Großen und Kleinen Rittergasse, in der Paradies- und Klappergasse reihen sich dicht an dicht „Eppelwoi-Wertschafte“ in Alt-Sachsenhausen. Auf langen Bänken an Holztischen trinkt man hier sein „Stöffche“ aus dem „Gerippten“, das heißt seinen Apfelwein aus dem gerippten Apfelweinglas. Dazu gibt es Frankfurter Spezialitäten wie Rindfleisch mit Grüner Soße, Handkäs oder eine Brezel „über die Gass“ vom Brezelmann.

So steht es auf der Homepage der Stadt Frankfurt und so ähnlich wird Sachsenhausen auch noch in sämtlichen Reiseführern angepriesen.

Die Realität sieht leider trotz großer Bemühungen des Planungsdezernats „Alt-Sachsenhausen wieder zum Aushängeschild zu machen“ (noch) ganz anders aus.

In Reiseführern gilt Alt-Sachsenhausen seit den 70ern als einer der Höhepunkte Frankfurts und prägt somit maßgeblich das Frankfurt-Bild von Frankfurtbesuchern. Die meisten Frankfurter sehen das jedoch ganz anders und bleiben fern, Touristen sind enttäuscht bis entsetzt: Das Apfelweinviertel Alt-Sachsenhausen entspricht schon lange nicht mehr seinem Image und der Vorstellung der Stadtoberen im „fernen“ Römer.

Mit Alt-Sachsenhausen verbinden die meisten Frankfurter schon lange nicht mehr Gemütlichkeit und „Stöffche“, sondern vor allem Ballermannflair, Proleten aus dem Umland, Betrunkene und Schlägereien. Der Charme der Ebbelwoi-Gemütlichkeit rund um die Klappergasse ist schon lange dahin. *Wolfgang Jeck (HR-Online 2004)

Die Polizei ist vor allem in den Nächten an den Wochenenden ununterbrochen mit Streifenwagen an der Kleinen Rittergass vor Ort und mit Fußstreifen im Viertel unterwegs und verhindert so immer wieder schlimmeres. Trotzdem kommt es an jedem Wochenende immer wieder zu Zwischenfällen.

Vielen Frankfurtern blutet das Herz, wenn sie des nächtens durch Alt-Sachsenhausen laufen, die alteingessenen Wirte leiden extrem unter dem seltsamen Treiben mit Hochprozentigem aus Plastikflaschen rund um ihre Apfelweinwirtschaften und viele Besucher fühlen sich unwohl und subjektiv unsicher.

Jetzt handeln:

Durch die Maßnahmen des Stadtplanungsamtes ist zumindest dem weiteren Verfall der Baustruktur Einhalt geboten worden. Allerdings muss, um nachhaltig eine Verbesserung des Gesamtbildes von Alt-Sachsenhausen zu erreichen, das Erscheinungsbild weiter optimiert werden und die Besucherstruktur durch geeignete Maßnahmen verändert werden, um das Quartier wirklich wieder zu einem wirklich vorzeigbaren, authentischen Ort – wie er auf den Internetseiten der Stadt beschrieben wird – zu machen.

Dazu bedarf es unserer gemeinsamen größten Anstrengung. Es sind vielfältige kleinere und größere Maßnahmen notwendig, um oben genanntes Ziel zu erreichen.
Daher habe ich angeregt eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Arbeitskreise Planen&Bauen, Sicherheit und Wirtschaft einzurichten und auch das Gespräch mit alteingesessenen Wirten, sowie natürlich auch der Polizei und anderen Institutionen zu suchen.

Zusätzlich zu erneuten, intensiveren Gesprächen mit den Hauseigentümern vor Ort, bezüglich der Ausrichtung und Qualität der Gastronomie in ihren Häusern, ist es notwendig die Gestaltungssatzung, die das Erscheinungsbild von Gastronomischenbetrieben und deren Außenwerbung regeln soll, zu ergänzen. Vor allem muss aber auf ihre strikte Einhaltung geachtet werden – Ausnahmen müssen Ausnahmen bleiben und dürfen dann auch nur minimal sein und keinen Einfluss auf das Erscheinungsbild des historischen Viertels haben.

Auch wäre eine Art Gefahrenabwehrverordnung, die den Alkoholkonsum auf der Straße unterbindet, denkbar.

Stärkere Kontrollen von einschlägig bekannten Betrieben durch das Ordnungsamt sind dringend notwendig.

Ideen wie das Einrichten einer Sperrstunde (z.B. 1 Uhr) halte ich ebenfalls für überlegenswert.

Von einer arbeitskreisübergreifenden Arbeitsgruppe aus Planungs-, Wirtschafts-, Verkehrs-, und Sicherheitspolitikern würde ich mir viele gute, konstruktive Vorschläge und Ideen erwarten, die es in der Summe ermöglichen, sehr ausgewogen und zielgerichtet unser hoffentlich gemeinsames Ziel zu erreichen:
Der Text auf der städtischen Homepage muss nicht umgeschrieben werden – weil Alt-Sachsenhausen wieder zu dem wird, was sich momentan nur wie ein Märchen aus einer längst vergangenen Zeit liest.

Text: Wolff Holtz (CDU), Foto: Harald Schröder

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5 Kommentare bislang ↓

  • klyonrad

    Sperrstunde ab 1 Uhr? Das soll Politik für Jugendliche sein?
    (ist doch sicher ein Tippfehler und der Text ist von Wolff Holtz, Vorstandsmitglied der JU Frankfurt)

  • ViolaHollings

    Wie machen das andere Altstädte mit ihren “Touristenfallen” … Freiburg, Bamberg, Rothenburg etc. ?

    … in Nürnberg braucht man für einen Bauchladenverkauf (Junggesellenabschied) eine Sondernutzungserlaubnis des Liegenschaftsamts.

  • Wolff Holtz

    Lieber “Klyonrad”, liebe Viola,

    zunächst möchte ich mich bedanken, dass Ihr die hoffentlich bald noch intensivere Diskussion begonnen habt. Genau das war eines der Ziele meines Textes und meiner ersten Anregungen.
    Ich denke, dass Ihr ebenso wie die meisten Frankfurter auch Handlungsbedarf in Alt-Sachsenhausen seht. Auch wenn Ihr nicht jede meiner Ideen teilt und das ist ja auch absolut ok. Ich erhoffe mir von einer auf breiterer Ebene geführten Diskussion viele unterschiedliche Lösungsansätze, die vielleicht noch zielführender sind.
    Es ist tatsächlich so, dass ich im Kreisvorstand der JU Frankfurt vor Jahren energisch dafür eingetreten bin, dass die damals noch fürs gesamte Stadtgebiet geltende Sperrstunde aufgehoben wird – was wir dann ja auch erreicht haben.

    Zu dem Vorschlag die Sperrstunde in Alt-Sachsenhausen um 1 Uhr (auch 2 Uhr wäre denkbar) einzuführen möchte ich aber ergänzen, dass diese dann nur für den kleinen Bereich rund um Klapper- und Rittergasse gelten sollte – gegen 1 Uhr schließen die Apfelweinwirtschaften ohnehin und dann bleiben fast nur noch die sogenannten “Ballermann”-Läden vor denen es ab dann regelmäßig zu gewalttätigen Eskalationen kommt…
    @ Viola: Der Begriff “Touristenfalle” ist auch ein recht hartes Urteil über Alt-Sachsenhausen. Aber Du bringst es damit schon in gewisser Weise auf den Punkt: Welcher Frankfurter macht dort denn momentan ernsthaft noch Nachts Junggesellenabschiede?? Eben das wollen wir aber wieder erreichen – allerdings ohne Sondernutzungserlaubniss für Bauchläden ;-)

    Das von einem Grünen Oberbürgermeister regierte Freiburg hat z.B. in seiner Altstadt ziemlich durchgegriffen – dort gab es sehr ähnliche Probleme wie bei uns…

    So oder so, habe ich bisher nur einige Vorschläge gemacht und bin sehr auf Eure gespannt! Die “Wutaufstand” Wirte teilen ja zumindest einen meiner Vorschläge, andere Wirte in Alt-Sachsenhausen teilen sämtliche Vorschläge und gehen teilweise sogar noch viel weiter…

    Aber vielleicht kriegen wir es ja gemeinsam mit weniger drastischen Maßnahmen hin, das Alt-Sachsenhausen wieder für Frankfurter und Besucher richtig attraktiv wird!?

    http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=102106&_ffmpar_id_inhalt=5011129

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