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Journal-Frankfurt-Weblog

Die Woche (VI)

von Nils Bremer, 15. 3. 2009 · Keine Kommentare · Rubrik: Aufgeschnappt Beitrag drucken

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Die aktuelle Kriminalitätsstatistik des BKA weist für das Jahr 2007 insgesamt 734 Mordfälle aus. Dabei wurde in 11 Prozent der Fälle von der Schusswaffe Gebrauch gemacht.

Diese Woche sind so etliche deutsche Medien, Sie verzeihen den Ausdruck, in ihrer Berichterstattung Amok gelaufen. Dass die Bildzeitung gleich 17 Reporter in ihrer Ausgabe “am Tag danach” als Autoren der Geschichte “Das Blutbad” nannte, 17 Menschen, die in einen kleinen Ort gefahren waren, um Hinterbliebene zu schütteln, bedarf nur dieser Erwähnung, denn, mal ehrlich, wen hat diese Blutgeilheit denn überrascht? Überrascht war ich aber vom Zweiten Deutschen Fernsehen, denn deren “Spezial” genannte Sondersendung hätte so oder ähnlich genausogut auf den Privaten laufen können. Da wurde der Tischtennislehrer den Tränen nah über eine Wiese verfolgt, im Vereinshaus schließlich mit der Frage konfrontiert, warum er, da Trainer ja doch “intime” Verhältnisse zu ihren Schützlingen unterhielten, warum er also nichts geahnt, gewusst, irgendwie gemerkt habe, da er doch soviel Zeit mit Tim verbracht habe. Es ging dann noch schlimm weiter, auch bei anderen Sendern, aber das lesen Sie lieber bei den hartgesottenen Kollegen vom FAZ-Fernsehblog. Besonders lustig wird es dann natürlich, wenn die Medien über die bösen Medien schreiben, aber gleichzeitg auch darüber, dass die Leute eben alles wissen wollen. Auch was Tischtennistrainer sagen? Vielleicht wollte man ja auch nur dem Chefredakteur Nikolaus Brender einen Gefallen tun und die Quote etwas hochtreiben, denn diese ist schließlich äußerst wichtig für einen gebührenfinanzierten Sender, wie unser Landesvater weiß. Und in Frankfurt, fragen Sie? Was ist da bitteschön passiert? Nun.

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Am Freitag war ich in der Flüchtlingsunterkunft am Flughafen. Drei Landtagsabgeordneten der Grünen hatten geladen, einige Tage zuvor war ein hochschwangeres, 17-jähriges Mädchen nicht zur Entbindung, sondern erstmal zum Verhör geladen worden, soviel Ordnung muss sein. Die Beamten des deutschen Staates hatten wohl sogar die Entbindung genau geplant, kann man ja mit den richtigen medizinischen Beigaben oder Kaiserschnitten alles planen heutzutage. Wirklich seltsam ist natürlich das Konstrukt Flüchtlingsunterkunft, das wir im Journal Frankfurt im Mai in einer Reportage schon einmal schilderten. Es ist nämlich so: hinter der Schleuse, die von Bundespolizisten bewacht wird, befindet sich nicht mehr Deutschland. Sondern nichts, Niemandsland, exterritoriales Gelände. Wenn nun eine schwangere Frau zum Krankenhaus transportiert wird, dann ist auch der Krankenwagen, wo auch immer er sich gerade befindet, im Niemandsland. Denn offiziell darf die Frau nicht einreisen und wenn sie ihr Kind hat, dann werden beide rasch wieder zurückgeschickt. Ist das nicht verrückt?

Am Tag zuvor beging der Hessische Rundfunk die Verrücktheit, die Aufzeichnung des Hessischen Apfelweinanstiches abzusagen wegen des Amoklaufs. Nun war der Amoklauf nicht in Hessen, nicht in Frankfurt, aber irgendwie scheint dies wohl Deutschlands 11. September gewesen zu sein. Oder der Golfkrieg, wie ein Kollege richtigerweise bemerkte, denn der hatte ja Anfang der 90er dafür gesorgt, dass Fastnacht ausfiel. Na, jedenfalls sendete der hr statt dem Apfelweinanstich am Freitagabend dann “Schwedens Bären – geliebt und gehasst” und danach “Giraffe, Erdmännchen & Co.” Wie heißt es doch so schön unter Journalisten: Mit Tieren kannst Du nicht verlieren.

Eigentlich könnten wir diese Kolumne so harmlos enden lassen, doch wir müssen noch einmal auf den Weltfrauentag zurückkommen. Der war vor einer Woche und wir haben verpasst, diese aussagekräftige Grafik von Jolly Roger zu zeigen:
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Zwei Dinge noch: Heute fand im Römer die Messe “Apfelwein im Römer” statt. Es geht also doch. Nach Winnenden ist die Welt nicht zu Ende. Und wenn doch, dann ist das auch nicht so schlimm, solange man sein Leben einfach weiterlebt wie bisher. Denn eine Ewigkeit dauert nicht so lange, wie uns dieser wunderbare Kurzfilm Shawn Morrison und Garrett Murray weismachen will. Schönen Wochenanfang!


Forever’s Not So Long from garrettmurray on Vimeo.

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Nils BremerNils Bremer hat Politikwissenschaft in Frankfurt und Amiens studiert, schrieb währenddessen für die Frankfurter Neue Presse, danach für die Welt Kompakt. Seit 2004 beim Journal Frankfurt.
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