
Dass es zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen gehört, Freunden aus anderen Metropolen das Vorurteil zu nehmen, Frankfurt sei ein langweiliger Finanzstandort bestehend aus Anzugträgern, kann ich nicht verleugnen. Meistens beginnt eine solche Aufklärungsarbeit bei einer entspannten Tasse Café auf der Sonnenterasse des Café Molokos am Main. Frisch gestärkt tut ein Spaziergang über den Eisernen Steg nach Sachsenhausen bei strahlendem Sonnenschein gut. Bereits hier fallen meistens die ersten Vorurteile in den Main. Beim schlendern zwischen Brücken- und Wallstraße sind die Vorurteile gegenüber der langweiligen Bankenmetropole ausradiert. Und beim Abendessen in geselliger Runde im Club Michel im Kleinen Hirschgraben schwärmen meine Gäste spätestens nach dem zweiten Glas Rotwein dann von Frankfurt und dass ein Besuch in naher Zukunft eingeplant werden muss.
Da stört auch der abschließende Gang zum Parkhaus neben dem Peek&Cloppenburg nicht mehr. Und bei einem Parkpreis von 3 Euro (Nachtgebühr) kann man in einer deutschen Großstadt auch nicht meckern. Nur, was passiert, wenn man um 23:30 nur noch ein Zwei-Eurostück besitzt und der Automat die Zehn-Cent Stücke nicht annehmen möchte? Richtig, die Bar neben dem Parkhaus wird sicher die Freundlichkeit besitzen ein 50 Cent Stück und 5 mal 10 Cent in einen Euro für den Automaten umzutauschen. Bis man zum Barkeeper vorgedrungen ist, dauert es auch nicht lange – die Bar ist nicht allzu gut besucht. Ob er denn Geld für den Automaten im Parkhaus wechseln würde? Sicher, doch, junge Dame. Ich krame umständlich die Münzen aus der Tasche. Seine Miene wechselt von freundlich in pikiert. Nein, das kann er nicht annehmen. Wieso? Das Fragezeichen steht mir im Gesicht. Nein, das wäre „kein Geld“. Ich prüfe die Münzen noch mal. Und wie soll ich dann aus dem Parkhaus kommen? (zwei Mädels, alleine, da die Zeil um 23:30 wie ausgestorben ist keine Möglichkeit zum Wechseln). Das würde ihn nichts angehen, und sei ihm auch egal was passieren würde, dann soll ich doch nach Hause laufen und das Auto im Parkhaus lassen – jedenfalls sollen wir jetzt die Bar verlassen. Denn, mit so kleinem Geld findet man hier sich nicht ab…
Meine Besucherin schaute mich beim Verlassen groß an und meint, dass sie sich „so Frankfurt vorgestellt hatte“. Na Danke!
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Schlagworte: Frankfurt·Freundlichkeit

Judith-Christina ist Absolventin im Fach Rechtswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt. Sie schreibt unter anderem bei





Leute-Reporter Jens Prewo
Dany Cohn-Bendit
Michi Herl ist der Stadtgucker
Christoph Schröder war vor Gericht
Petra Spahn ist der Hausdrache
Herr P. fährt Bahn
Venden // 12. 4. 2009, 19:38
Was ist denn überhaupt richtiges Geld?
Unglaublich, die Geschichte! Und dann noch die Unverschämtheit euch “raus” zu werfen ohne die möglichen Kollegen oder Bargäste (mit ein wenig Witz) euch aus der Situation zu helfen…
Ein Grund warum ich so gut wie nie nördlich vom Main weggehe… Sachsenhausen Rulez ;)
Wie ist denn die Geschichte zu Ende gegangen?
judithchristina // 13. 4. 2009, 09:35
Was ist richtiges Geld? Gute Frage – ich hätte den Barkeeper auf das Geldgesetzt verweisen sollen, aber, das hätte er vermutlich nicht verstanden
Der Ausgang der Geschichte war der, dass ich gewartet habe bis jemand zum Park-o-maten kam um mir netterweise anstangslos das Geld zu wechseln…
Ja, Sachsenhausen ist im Ganzen viel relaxter – ausklang des Abends war dann das Oppenheimer…