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Kein „Hessmob“ in Hessen

von Florian Fix, 18. 8. 2009 · Keine Kommentare · Rubrik: Aufgeschnappt Beitrag drucken

AntinaziRedaktionsintern gelte ich langsam, aber sicher als Experte für Flashmobs. In den vergangenen Wochen habe ich beispielsweise mit lauter fremden Menschen auf dem Opernplatz gepicknickt. Ein andermal bin ich mit einer Rotte Zombies durch die Innenstadt gewankt. Ganz schön gruselig, die Untoten. Doch nun stand ein noch gruseligerer Flashmob auf dem Plan:

Zum Todestag des Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß wollte eine rechtsextreme Gruppe des „Freien Widerstands“ diese publikumswirksame Aktionsform für ihre Zwecke missbrauchen. Um dem NS-Täter zu gedenken, hatten die Neonazis vor, sich gleichzeitig an zentralen Orten in mehreren Städten zu versammeln. Der geplante Ablauf: Von verschiedenen Seiten auf den Platz strömen, wie eingefroren stehen bleiben, Heß’ Abschlussworte aus den Nürnberger Prozessen verlesen, in alle Himmelsrichtungen zerstreuen. Das Dumme: Die Rechtsextremen hatten die Versammlungsorte in öffentlich einsehbaren Foren bekanntgegeben.

Pünktlich um 19.30 Uhr sind – trotz Großstörung des S-Bahn-Netzes – rund 200 Menschen auf dem verkehrsberuhigten Beriech vor der Hauptwache zusammengekommen. Von Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln und mit Runen bedruckten Sweatshirts aber keine Spur. Die Polizei ist vor Ort, ein paar Punks sind da, Gegendemonstranten aus dem linken Spektrum, bewaffnet mit Trillerpfeifen und Ghettoblaster, aber auch einige Senioren. Man unterhält sich, wartet, blickt sich aufmerksam um. Als auch nach über eine Stunde nichts passiert ist, löst sich die Demo wieder auf.

Zuhause schnell ein Blick ins Internet: Wie die dpa berichtet, konnten auch in den anderen geplanten Aktionsstandorten Marburg und Darmstadt die Nazi-Kundgebungen durch jeweils 150 Gegendemonstranten verhindert werden. Ein Polizeibeamter der Koordinierungsstelle in Fulda sagte später, dass hessenweit keine Versammlung von Neonazis gemeldet worden sei. Lediglich in Wetzlar seien einige braune Kameraden auf der Lahn gepaddelt, konnten aber schnell von der Polizei gestoppt werden. Und Hessen hat – zumindest für heute – Ruhe.

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Florian Fix
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