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MyZeil is My Castle

von Nicole Brevoord, 10. 11. 2008 · 22 Kommentare · Rubrik: Aufgeschnappt Beitrag drucken

Wie nennt man ein Einkaufszentrum mitten in der Innenstadt? Eine philosophische Frage, die sich die Bauherren der Shoppingmall des PalaisQuartier stellten. Es brauchte ein sehr langes Brainstorming, bis der vor Überraschung und Erotik strotzende Name „MyZeil“ gefunden wurde. Diesen Namen muss man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen. Aus dem gestelzten FrankfurtHochVier ist ja auch das elegantere PalaisQuartier geworden, das Ensemble aus einem Büro- und einem Hotelturm, des neuerweckten historischen Thurn und Taxis Palais und dem Einkaufszentrum eben. Bisher wurde es prägnant Zeilforum genannt, es sollte aber viel origineller klingen. Eben MyZeil. „Der Name ermöglicht eine Identifikation. Ein persönliches Stück Zeil“, argumentierte man bei Bouwfonds und sogar unsere Oberbürgermeisterin Petra Roth flötete: „MyZeil ist geradezu genial.“ Nun ja, sie kannte aber auch ein volkstümelndes Lied, das dem Namen noch mehr Ehre machte: „Ei, MyZeil, die lob’ ich mir.“ Das werden wir am 26.2.2009, zur Eröffnung, hoffentlich alle sagen, wenn die Endlosbaustelle einem Shoppingparadies gewichen ist. Die Architektur ist schon mal atemberaubend, wie ein Rundgang zeigte.



„Wir sind ganz im Terminplan“, bestätigte Michael Flesch von Bouwfonds MAB Development und fast war ein Seufzer der Erleichterung bei der anwesenden Presse zu vernehmen. Die Tage bis zur Eröffnung können langsam gezählt werden und der Countdown auf der Baustelle läuft. „Ich bin überzeugt, dass der Entwurf ein Guter war, die von der Stadt gemachten Änderungen, das Projekt sogar noch verbessert haben“, sagt Petra Roth. 77 000qm Gesamtfläche auf insgesamt 8 Ebenen und Einzelhandel, Gastronomie und Lager auf 47 000 qm – das ist das Einkaufszentrum in Zahlen. Neben dem Einkaufserlebnis sollen die Bürger auch über die Zeil eine Abkürzung durch das Palais nehmen können und auf einem einst historischen Pfad auf die Große Eschenheimer Straße kommen. Dieser Schleichweg soll auch an Sonntagen, wenn die Geschäfte geschlossen sind, zur Verfügung stehen.

Rund 100 Mieter soll es im MyZeil geben. Hier die bekanntesten: Pafürmerie Albrecht, Anson’s, Biba, Bose, Chiemsee, Coa, Comma, Ecco, Fitnessfirst, Gabor, Gant, Glenfield, Hilfiger Denim, Lloys Shoes, Mustang Jeans, Pandora, Passionata, Pepe Jeans London, Quicksilver, Rewe, Saturn, S. Oliver (1800qm) und viele mehr. 90 Prozent der gesamten Ladenfläche sollen schon vermietet sein. Das Ex-Zeilforum hat ein Premiumlage, daher werden bis zu 485 Euro pro Quadratmeter Miete bezahlt. Bleibt zu hoffen, dass von den laut Zählungen 13 960 Passanten pro Stunden sich auch genügend Besucher in das Einkaufszentrum stürzen.

Mit 500050- bis 70.000 Besuchern am Tag rechnet etwa Steffen Höhn, der Director for Sales & Marketing von Bouwfonds „Touristen nicht mitgerechnet“. Denn auch aus aller Welt, so ist es geplant, sollen die Einkäufer hierher kommen. Zur Eröffnung im Februar sollen dann auch die Fassaden der beiden Türme und des Palais fertig sein. Zurzeit lädt die Baustelle noch nicht zum Verweilen ein. Es ist staubig und wüst. Aber über alles zieht sich das amorphe Glasdach mit seinen unzähligen, dreieckigen Facetten. Eine gläserne Haut, die sich bizarr über die Baustelle wölbt und alle Einzelteile verbindet. Nicht nur an der Front – zur Zeil hin – soll die Fassade sich trichterförmig nach innen wölben, auch vom Dach zieht sich ein Trichter hinunter bis zum Erdgeschoss.

Wenn es regnet, wird hier das Wasser gesammelt und dann in die Kanalisation weitergeleitet. Architektonisch ist MyZeil zumindest recht überzeugend, abenteuerlich hingegen könnte die Arbeit der Fensterputzer werden.

Und wer jetzt hofft, dass der Baustellentrubel in der Innenstadt nun vorbei ist, dem sei gesagt, dass ein neues Projekt ansteht. „Die Kommunalpolitik wird bald feststellen, dass die Fressgass’ auch in die Jahre gekommen ist“, sagt Petra Roth. „ Die Fressgass muss ebenso einem Facelifting unterzogen werden, denn sie darf gegenüber der Zeil nicht abfallen.” Dann steht uns ja noch einiges bevor!

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Nicole BrevoordNicole Brevoord hat Publizistik in Mainz studiert und sich nach einem Ausflug zum Hörfunk dann doch für die Printmedien entschieden. Seit 2005 arbeitet sie regelmäßig für das Journal Frankfurt und stöbert nach neuen Geschäften für das Ressort Shopping.
Alle Artikel von Nicole Brevoord.

22 Kommentare bislang ↓

  • Steffen Höhn

    Hallo!

    Artikel und Bilder O.K. aber ich rechne nicht mit 5.000 Besuchern am Tag, sondern mit 50.000 bis 70.000 Besuchern am Tag!!!

    Mit freundlichen Grüßen / Kind regards,
    Steffen Höhn
    Director Retail & Marketing
    —————————————–
    Bouwfonds MAB Development GmbH

  • Nils Bremer

    danke für den hinweis, ist korrigiert.

  • Jeffrey Myers

    “Bedenke wohl die erste Zeil(e)”

    “My what”? Der konstruiert klingende Name für das neue Einkaufszentrum auf der Zeil wird nicht nur Einheimische wundern, sondern auch Gäste aus aller Welt irritieren.

    Wenn der neue Name überhaupt auf Englisch sein muss (warum denn eigentlich?), dann sollte man wenigstens versuchen, das Profil der Zeil bzw. von Frankfurt hervorzuheben, wie z.B. seine vielfältige Funktion als Drehscheibe oder Kreuzung; Beispiel: “Crossroads Mall”.

    Oder man kreiert einen Namen, der an die Zeil als geschichtsträchtigen Ort erinnert, indem man z.B. an eines der historischen Gasthäuser auf der Zeil wie “Das Rote Haus” oder “Der Römische Kaiser” anknüpft. Der Dichter Schiller, der ein großer Bewunderer der Zeil war und im nahe liegenden “Schwarzen Bock” gewohnt hat, hätte bestimmt einen poetischen Namensvorschlag gehabt. Oder man knüpft an die Namen jüdischer Kaufhäuser-Gründer an, die in Vergessenheit zu geraten drohen (auch ein wichtiges Kapitel Frankfurter Zeil-Geschichte).

    “Bedenke wohl die erste Zeil(e)”, heißt es bei Goethe. Nur an einem Punkt hat Frankfurts berühmtester Sohn Unrecht: Namen sind doch viel mehr als nur “Schall und Rauch.”

    Dr. Jeffrey Myers
    Frankfurt am Main

    Römerberg
    60311 Frankfurt am Main

    Tel. 069 / 28 42 35

  • mephisto

    eine schöne nuee zeit scheint angebrochen: ich freue mich schon, meinen mai thai (wenigstens sinnig) im untergeschoss einer bar in myzeil zu genießen. habe ich zuviel, telefoniere ich auf myhome nach mytaxi und lass mich in mynordend bringen – da wohne ich nämlich.

  • stephan

    sorry, aber bei den genannten Marken (fast alles Schrott! Wer braucht s.oliver, rewe, den 74. Saturn, Mustang und Fitnessfirst… als Beispiele) werden es wohl eher die genannten 5.000 Besucher pro Tag.

  • Shops in “MyZeil” (oder “My Zeil”?), Frankfurt « SpaceFlaneur

    [...] My Zeil is My Castle , 10.11.2008 von Nicole Breevord, im Pflasterstrand. Journal Frankfurt Weblog (http://www.pflasterstrand.net/blog/aufgeschnappt/myzeil-is-my-castle/) [...]

  • Dr. Opel

    Kann ich da auch online einkaufen?
    Nee, so wird das nur eine neue Zeilgalerie. Langweilig und verödend.

  • Die Woche (III) | Pflasterstrand

    [...] Pflasterstrand erlebt derzeit viele, viele Zugriffe, weil kommende Woche ein Einkaufszentrum in der Innenstadt eröffnet und wir interessanterweise seit einigen Wochen bei Google auf Platz 1 [...]

  • Mike

    Hat sich schon mal irgendwer überlegt wie das Regenwasser das durch das Frankfurter Loch in Richtung Zeil abläuft?
    My Niagara?

  • Nils Bremer

    oder MyKlospülung, je nachdem wie oft die Fensterputzer ihr Leben riskiert haben …

  • Oh mein Gott...was für ein Name

    Das Projekt ist genial! Der Name “MyZeil” ist allerdings daneben. Wie man auf den Gedanken kommen kann, das der Name Möglickeit zur Identifikation bietet, weiß ich nicht.

  • Liga

    Also die Marken finde ich überhaupt nicht exclusiv…Schade, habe mich umsonst gefreut!

  • DaMan

    Also die Taxisfahrer sollen das Ding bereits “das Loch” nennen.

    .

  • freddy

    Eine Frage:
    Es soll angeblich ein Hollisterstore im “myZeil” sein …
    stimmt das?
    Das fände ich toll :D

  • Nils Bremer

    schauen Sie mal in unser Thema der Woche, da finden Sie alle derzeitigen Mieter aufgeführt :)
    http://www.journalportal.de/?src=journal_thema&id=356

  • me

    Ich kann wirklich nicht verstehen, wie man so einem schönen Einkaufszentrum den Namen “myZeil” geben kann…

    Zeilpalast zB wäre viel besser, oder zumindest treffender, es muss doch nicht immer alles Englisch sein :-). Da gebe ich den Leuten, die vorher zu diesem Thema geschrieben haben, absolut Recht!

    Über den Namen bin ich wirklich enttäuscht, aber ansonsten bietet es meiner Meinung nach viel, zumindest für Touristen. Am Tag nach der Eröffnung haben die Menschenmassen einen ja fast tot geschubst :-))) … .

    War ja eigentlich klar und wenn man nichts bestimmtes sucht auch nicht weiter schlimm. Da verstehe ich nur die Leute nicht, die dahingehen, obwohl sie schnell die Geduld verlieren.

    Weiß jemand vielleicht wie viele Besucher das Einkaufszentrum bis jetzt wirklich hatte?? (Information für ein Referat benötigt)

    Vielen Dank!

  • Nicole

    @me: Am Eröffnungstag sollen insgesamt 120 000 Leute in MyZeil gewesen sein, am Freitag muss es wohl genauso voll gewesen sein.

  • My MyZeil | Brainbirds

    [...] der riesengroßen Saturn Filiale zu tun hatte. Aber selbst im Normalbetrieb rechnet man dort mit täglich 70.000 Besuchern, Touristen nicht mitgerechnet. Interessant dürfte bei solchen Zahlen sein, wie sich dieses [...]

  • WoSt

    Wer ist denn für den Namen verantwortlich? Ich schätze Frau Roth als OB sehr, aber den Namen “genial” zu nennen, scheint dorch arg daneben. Der Anglizismus lebe hoch!!!!!!!! (Mephisto: Klasse!!) Wir wär’s denn mit “MaaZeil” gewesen? Da hätte man wenigstens einen geographischen Anhaltspunkt und die Frakfurter wissen schon, dass “Maa” sowohl für “Mein” oder “Main” steht. Naja, in ten years spreche mer wohl alle so…..

  • Nicole

    Ganz so viele Besucher wie prognostiziert hat MyZeil anscheinend denn doch nicht. Center-Manager Gottfried Wabra hat gegenüber Stadtrat Markus Frank eine Bilanz gezogen: „30.000 Besucherinnen und Besucher kommen montags bis freitags zum Einkaufsbummel vorbei, samstags sind es bis zu 50.000 , die in den insgesamt 87 Marken-Shops das Warenangebot nutzen.“ Täglich 50.000 bis 70.000 besucher waren dann doch vielleicht etwas hochgegriffen.

  • Nicole

    @freddy: Im Dezember soll übrigens der Hollister Store eröffnen.

  • ViolaHollings

    Besucher heißt noch lange nicht Käufer. Ähnlich im Loop 5. Ich fands gruselig, so viele hektisch essende Menschen: Etage mit 25 (!) Restaurants und Imbissen. Ansonsten alles drin außer Bestatter und Standesamt. “Einkaufsghetto”?

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