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Journal-Frankfurt-Weblog

Piraten im Mousonturm

von , 30. 8. 2009 · 2 Kommentare · Rubrik: Aufgeschnappt Beitrag drucken

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Als ich am Freitagabend aus der U-Bahn-Station auf den Merianplatz stolperte, sah ich zur Linken die Piraten – richtig mit Wahlkampfstand, mit Fahnen und mit Flugblättern. Ein Team vom Hessischen Rundfunk filmte fleißig, wenn sich auch die Redakteurin nicht sicher war, ob das wirklich die Bilder seien, die sie suchten. Was für Bilder das sein sollten, wusste ich auch nicht. Große Kontroversen auf der Straße? Ohne das Medium Fernsehen hätte es den Straßenstand jedenfalls nicht gegeben, wie mir ein Parteimitglied sagte, alles nur Show. Schade! Ihr Versprechen, unsere Podiumsdiskussion im Mousonturm zu entern, sollten die Piraten jedenfalls wahrmachen – unter den gut 80 Gästen war bestimmt ein Dutzend als Parteisympathisanten zu erkennen (T-Shirts!). Doch, oh wunder, sie stellten keine Frage zu Bürgerrechten! Es hätte, sagten sie später, nicht in die sonstigen Themen gepasst (Wirtschaft, Schulden, Krise), die wir auf dem Podium vorher besprachen. Es war aber auch strategisch eine gute Entscheidung. Denn das Vorurteil, die Piraten hätten nur ein Thema und sonst keines, wurde so aufgeweicht. Nicht, dass ich nun die Piraten wählen würde, aber das sollte jetzt vor der Wahl der nächste Schritt der Partei sein: andere Themen besetzen! Sonst wird das nichts mit der Fünf-Prozent-Hürde. Und wenn die Piraten an dieser scheitern, wonach es im Moment aussieht, dann profitiert vor allem die CDU davon, das die Piratenstimmen wegfallen. Von der Leyen. Schäuble. Die Feindbilder, die diese noch junge Partei in den vergangenen Monaten beschworen hat, sie werden weiter regieren.

Bundestagswahl 2009

Fotos: n.b., Harald Schröder

Wie es sonst so war? Lesen Sie drüben in unserem Portal oder in einer ausführlicheren Würdigung bei Maingold.com.

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Nils BremerNils Bremer hat Politikwissenschaft in Frankfurt und Amiens studiert, schrieb währenddessen für die Frankfurter Neue Presse, danach für die Welt Kompakt. Seit 2004 beim Journal Frankfurt.
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2 Kommentare bislang ↓

  • Christian Hufgard

    Hi Nils,

    also ein wenig mehr als nur Show war der Infostand schon. :)

    Übrigens war die Veranstaltung fast eine perfekte Beweisführung dafür, warum die Politik in der Krise ist. 0815-Themen und Parteien, die beliebig koalieren können. Das macht die Wahl an sich nicht wirklich spannend und mobilisiert so natürlich auch wenig Wähler.

    Wenn selbst die FDP mit der Linken koalieren könnten, wieso sollte man dann überhaupt noch wählen gehen? Wenn doch eh vollkommen egal ist, wo man sein Kreuzchen macht? Und kleine Parteien werden dank 5%-Hürde auch weiterhin brav klein gehalten.

    Die Krise der Politik ist hausgemacht. Da hilft es auch wenig, wenn im Fernsehen mehr Werbung für die Wahlen ausgestrahlt wird…

  • Nils Bremer

    Lieber Christian,

    danke für Deinen Kommentar. Zur Koalitionsaussage der FDP gegenüber der Linken fand ich Dr. Zimmers Spruch “Nun übertreiben Sie’s mal nicht mit der Flexibilität” eigentlich sehr schön.

    Im Grunde genommen hast Du recht: die großen Kontroversen bleiben bislang aus und stattdessen unterhalten wir uns am Ackermannschen Geburtstagessen oder an Schmidtschen Dienstwagenaffären, über die unendlichen Schulden, die Investition in Banken statt in Bildung, darüber reden wir nicht. Dazu kommt das Bemühen der FDP und der Grünen zu den großen Volksparteien aufzuschließen. Da muss man es jedem recht machen und sich nach allen Seiten hin absichern.
    (Dazu kommt auch, dass auf dem Podium dann doch eher linksliberale Vertreter ihrer Parteien saßen, keine Dogmatiker oder Erika Steinbachs).

    Es gibt aber daher glaube ich keine Krise der Politik, sondern nur eine Krise der im Bundestag vertretenen Parteien. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sie die Strömungen in der Bevölkerung aufnehmen. Sage ich jetzt mal als unverbesserlicher Optimist.

    Und übrigens: es stimmt, der Wahlstand war nicht nur Show – ich habe sogar ein Flugblatt mit auf den Weg bekommen :)

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