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Praktikantenweisheiten (die letzten)

von Sunita Sukhana, 12. 10. 2009 · Keine Kommentare · Rubrik: Aufgeschnappt Beitrag drucken

Ich weiß noch ziemlich genau, wie ich zum ersten Mal versuchte, die Kreuzung Ludwigsstraße/Mainzer Landstraße bei Grün zu überqueren. Ich stellte schnell fest, dass das nahezu unmöglich ist, denn es handelt sich hier sicher um die kürzeste Grünphase der Stadt. Ich weiß auch noch, wie ich ein paar Tage später erstmals aus der entgegengesetzten Richtung auf das Gebäude zulief, in dem sich die Redaktion des JOURNAL FRANKFURT befindet. Natürlich bog ich prompt in den davor liegenden Eingang ab und stand mitten auf dem Parkplatz. Damals habe ich gedacht, zweieinhalb Monate seien eine furchtbar lange Zeit. Jetzt weiß ich, dass sie rasend schnell vorbei gehen können. Langer Rede einfacher Anlass: Heute ist mein letzter Praktikumstag.

Für mich bedeutet das, heute Abend werden meine Eltern die typische Frage stellen: „Und, hast du auch was gelernt?“ Klar habe ich das. Ich habe gelernt, dass man Formulierungen mit „man“ lieber vermeidet und dass auch Passiv-Konstruktionen nicht zu häufig benutzt werden sollten. Darüber hinaus fällt es irgendwann auf, wenn in einem Text zwanzigmal das Wort „Wein“ vorkommt. Zugegebenermaßen war meine Bewerbung um diese Stelle nicht ohne Hintergedanken. Ein redaktionelles Praktikum ist nämlich die Voraussetzung für ein Journalistikstudium. Inzwischen werde ich allerdings gar nicht mehr Journalistik studieren. Wozu also das Ganze? Damit mir die Kollegen etliches wahrscheinlich noch viel besser beibringen, als ich es jemals bei einem Studium hätte lernen können. Immerhin befinde ich mich hier mitten in der Praxis.

Jetzt ist wohl der Zeitpunkt, an dem ich um einen Spruch nicht herumkomme, den man sonst nur von Großmüttern oder pensionierten Lehrern kennt: Ich habe etwas fürs Leben gelernt. Zum Beispiel, dass ein dummer Fehler kein Weltuntergang ist. Mein Geheimtrick: Ich fange einfach an, herzhaft über mich selbst zu lachen. Da vergisst jeder ganz schnell, wie dämlich das Ganze eigentlich war. Was ich sonst so erfahren habe? Journalisten sind nicht selten Raucher und/oder leidenschaftliche Kaffeetrinker. Davon abgesehen werde ich wohl in Zukunft Telefonpartnern bis zu letzten Sekunde meine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Denn bei der Recherche antwortete ich einmal auf die abschließenden Worte meines Gesprächspartner „Danke für die Nachfrage“ gedankenverloren mit dem herzerwärmenden Satz „Danke für Sie“.

Also ja, liebe Eltern, ich habe so einiges gelernt bei diesem Praktikum. Darüber hinaus kommt es mir mittlerweile vor, als würde ich hier schon ewig arbeiten. Mehrmals täglich drei Stockwerke Treppen laufen. Mit meinen Tischgenossen scherzen. Kollegen nerven, indem ich als dritte Person am Morgen an der Tür klingele und darauf warte, dass mir jemand öffnet. All das gehört schon längst zu meinem Alltag. Morgen früh muss ich wohl ein wenig aufpassen, damit ich nicht wie gewohnt um viertel nach neun in den Zug steige. Am besten hänge ich mir einen Zettel neben das Bett: „Achtung! Nicht zum Praktikum fahren! Das ist vorbei.“ Und auch mit meinen Weisheiten bin ich jetzt erst einmal am Ende.

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