Erinnern Sie sich noch? Monatelang erzählte man uns 1999 vom gefährlichen Y2K-Bug, der unsere Computersysteme lahmlegen, russische Atomraketen abfeuern und überhaupt das Ende der Welt bedeuten würde (sogar von einem Zusammenbruch des Rentensystems war die Rede), sofern man nicht ein Millionenheer von unterbezahlten Programmieren daran setzen würde, den elektronischen Datenbanken zwei zusätzliche Jahreszahlen-Stellen zu spendieren. Dann kam der Millenniumswechsel und es passierte: nichts. Alles war wie zuvor. Der Hype hatte eine Enttäuschung produziert. Doch andererseits: Hätte es einen bezeichnenderen Einstieg in die Nuller-Jahre geben können?

Nun ist die Dekade vorbei und wird eifrig beschimpft. Das Magazin „Der Spiegel“ schreibt von einem verlorenen Jahrzehnt. Ja, was kann denn das Jahrzehnt dafür, dass Terroristen in Hochhäuser flogen, die New Economy überraschenderweise zusammenbrach und die Bankiers nur wenige Jahre später, die Welt erneut äußerst überzeugend von ihrer Unfähigkeit und Gier beeindruckten?
Ich fand die Nuller-Jahre eigentlich ganz okay. Deswegen haben mir auch die Titelentwürfe der Stadtillustrierten New York Magazine gefallen, die von Künstlern entworfen wurden (siehe Fotos). Da sind dann mal bunte Luftballons zu sehen oder einfach nur eine weiße, blasse Fläche (die aber aus übereinandergestapelten Holzplatten gefertigt wurde). Nichts davon ist langweilig. Und, wenn ich ehrlich bin: die Nuller-Jahre waren es auch nicht (und erst recht nicht verloren). Es ist nur ein sprachliches Problem: Nuller hört sich einfach nicht so cool an wie Neunziger, Achtziger oder Sechziger. Ich hatte jedenfalls jede Menge Spaß. Und Sie? Wie haben Sie die Dekade erlebt? Schreiben Sie an chefredaktion@mmg.de oder gleich hier und jetzt.
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Schlagworte: editorial·nullerjahre

Nils Bremer hat Politikwissenschaft in Frankfurt und Amiens studiert, schrieb währenddessen für die Frankfurter Neue Presse, danach für die Welt Kompakt. Seit 2004 beim Journal Frankfurt.





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