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Editorial: Was ist Frankfurt?

von Nils Bremer, 27. 10. 2009 · 8 Kommentare · Rubrik: Kolumne Beitrag drucken

ediNew York bringt es auf den Punkt, finde ich: Big Apple. Dazu dann noch ikonenhafte T-Shirts mit „I love NY“-Aufdrucken. So einfach kann es manchmal sein, ein Image durch die Welt zu tragen. Doch wofür steht Frankfurt? Die Diskussion kam neulich beim Medienmittwoch wieder auf, einem Treff der, Sie haben es erraten, hiesigen Medienschaffenden. City of the Euro, Frankfurt am Meer, Bembeltown, Mainhattan, die kleinste Metropole der Welt – was haben wir nicht alles gesehen.

2309_oekobanker-kl Wir waren mal die Stadt der Studentenproteste, die der Frankfurter Schule und die der Neuen Frankfurter Schule, die Finanzstadt und demnächst, so hat es das Büro des Städteplaners Albert Speer ersonnen, sollen wir gar zur Green City werden. Der Flughafen ist dabei kein Hindernis. Vielleicht weil es wie Balsam für die Ökoseele ist, wenn man vom Mallorca-Kurztrip direkt im KfW-gedämmten Eigenheim landet …

Die KfW-Bank ist ein gutes Stichwort, denn Öko und Finanzen vermählen sich gerade an anderer Stelle: Nachdem in den Achtzigern aus der Friedensbewegung heraus schon einmal eine Ökobank gegründet wurde, erfahren Finanzinstitute wie Triodos oder GLS in der Krise Aufschwung. Die Triodos vergrößert sich und muss das Ökohaus gen Bankenviertel verlassen. Die Tatsache, dass energieeffizienter Büroraum nicht aufzutreiben war, zeigt, dass es bis zur Green City noch ein langer Weg ist.

Vielleicht sollten wir aufhören, nach einem Nenner zu suchen. Vielleicht liegt die Zukunft in dem, was Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg Supervielfalt nennt (dazu finden Sie auf Seite 12 des aktuellen JOURNAL FRANKFURT einen Bericht).

Frankfurt ist Vielfalt. Bisschen langweilig, aber nicht schlecht. Was meinen Sie? Was ist Frankfurt? Darüber würde ich gerne mit Ihnen diskutieren. Schreiben Sie eine Mail an chefredaktion[at]mmg.de oder direkt hier einen Kommentar.

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Nils BremerNils Bremer hat Politikwissenschaft in Frankfurt und Amiens studiert, schrieb währenddessen für die Frankfurter Neue Presse, danach für die Welt Kompakt. Seit 2004 beim Journal Frankfurt.
Alle Artikel von Nils Bremer.

8 Kommentare bislang ↓

  • Tweets that mention Editorial: Was ist Frankfurt? | Pflasterstrand -- Topsy.com

    [...] This post was mentioned on Twitter by journal frankfurt and Journal Frankfurt, Frankfurt am Main. Frankfurt am Main said: Ohne Werbung für ein Magazin machen zu wollen: Die Frage ist berechtigt. RT: @pflasterstrand: Was ist Frankfurt? http://bit.ly/YQUwx [...]

  • Harry Ille

    Gute Idee, mal wieder über die eigene Identität oder diejenige, die man gerne hätte, nachzudenken. Ich will es nicht ins Kabarettistische ziehen, aber der Begriff der “Vielfalt” erinnert mich an ein schlecht gemachtes Bett… Vielleicht gibt es einen anderen, einen besseren?

  • jana

    Frankfurt ist wie Liebe auf den zweiten Blick.

  • uberVU - social comments

    Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by journalffm: Editorial: Was ist Frankfurt?: New York bringt es auf den Punkt, finde ich: Big Apple. Dazu dann noch ikonenhaf.. http://bit.ly/NQxWy...

  • mephisto

    feine neue startseite! toi toi toi für die nächsten wochen ,-)

  • Roland Judas

    Frankfurt ist verglichen mit Berlin ein Dorf. Viele Banker, einige Medien, wenige coole Startups. Grosser Nachholbedarf!

  • John_Kt

    Frankfurt ist auch eine Stadt des Technos, heutzutage House. Außerdem eine Stadt der Kulturen. Wir haben mit Sachsenhausen auch ein einzigartiges Kneipenviertel.
    Außerdem ist es eine Stadt der Polizei, alle 3 Minuten fährt einer an dir vorbei, Stadt der Junkies auf den Straßen. Ein besonderes Highlight war ja Sound of Frankfurt, das leider eingestampft wurde. Großartig fürs Image!
    Stadt der Feuerwerke (allein dieses Jahr habe ich 5 gesehen, die alle Unsummen an Geld verschlungen haben mögen.
    Momentan eine Stadt der Baustellen.
    Ganz klar die Stadt der Wolkenkratzer!

  • Jeffrey Myers

    Vielfalt schon, aber doch viel mehr. Das Großartige an Frankfurt liegt in der kreativen Spannung zwischen all den einzigartigen Stadtteilen und vermeintlichen Widersprüchen: Äppelwoi und Sushi, Fachwerk und Skyline, Frankforderisch und Denglisch, Buchmesse und Flohmarkt.

    Die meisten Frankfurter – etwa der Bernemer und die Frankfurterin eritreischer Herkunft, die Sachsenhäuserin und der Durchreisende aus Dublin (der vielleicht doch hängen bleibt!) – leben gut damit, und sie schöpfen aus dieser produktiven Spannung.

    Übrigens: Was heißt denn hier “Widerspruch”? Wen kümmert es zum Beispiel, dass auf dem Römerberg das kleine Haus der “Grosse Laubenberg” heißt und das große Haus am Ende der “Kleine Laubenberg” ist? So ist es eben in Frankfurt am Main von Anfang an: Man schöpft Originalität aus dem Wirrwarr vermeintlicher Widersprüche und – wie bei den Häuser-Namen an der Gud Stubb – verdreht hin und wieder etwas gerne zum Guten.

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