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Event-Shopper

von Petra Spahn, 29. 8. 2008 · Keine Kommentare · Rubrik: Kolumne Beitrag drucken

Das nächste Mal lasse ich ihn daheim! Ich schwöre es! Nie wieder nehme ich ihn zum Einkaufen mit! Fürs Anschaffen von Milch, Mehl und Magerquark sind. Männer einfach nicht zu gebrauchen.

Dabei geht meiner ja eigentlich gerne einkaufen. Also, was er so einkaufen nennt. Er liebt es, alleine über den Erzeugermarkt oder durch die Markthalle zu schlendern. Ein typischer Genuss- und Event-Shopper: Ohne Animation kein Anschaffen! Hier ein Röllchen Schinken probiert, da ein Häppchen Käse. Und zwischendrin ein Schöppchen Apfelwein. Heute springen für uns dabei vier eingelegte Handkäs’, Wasabi-Kürbiskerne und zwei Bund Kräuter der Wetterau heraus. Dann bummelt er mit seiner Beute heim. Und fällt dort aus allen Wolken, als ihn sein weiblicher Stressfaktor fragt: „Und was sollen wir am Wochenende essen?“

­Also noch mal zum HL um die Ecke. Zusammen geht schneller, denke ich. Bin ich blöd? Wer meint, einkaufen mit Kindern sei anstrengend, der sollte zur emotionalen Relativierung mal den eigenen Typen mitnehmen. Meiner schafft es gerade noch, einen Einkaufswagen zu organisieren, dann ist Sense. Fortan hängt er auf dem Wagen wie auf einer Gehhilfe. Sein Gesichtsausdruck liegt zwischen Meditation und Aggression. Aufmunternde Aufträge wie Hol-du-doch-mal-die-Butter quittiert er mit „Ei, wo denn?“. Demonstrativ desinteressiert gammelt er hinter mir her. Trotzdem schafft er es, zweimal in meine Hacken zu fahren. Und als sich in meinen Armen Eier, Milch und zwei Kilo Kartoffeln stapeln, ist er mit dem Wagen verschwunden. Weg!

Früher konnte ich ja noch stundenlang so verliebt wie geduldig mit ihm in der Tiefkühlabteilung frieren, weil er sich nicht entscheiden wollte: Erdbeer- oder Vanillejoghurt? Jetzt packe ich den Vanillejoghurt alleine auf meine Kartoffeln und möchte laut seinen Namen kreischen. Was macht er? Studiert er Chips­tüten? Spielt er Verstecken? Oder ist er abge­hauen? Nein. Er umkreist die Frischwurst-Theke. Es sieht fast aus, als flirte er mit der Fleischfachverkäuferin. Während mein Gatte offenbar darauf wartet, dass für ihn ein Schnibbel Gelbwurst abfällt, platzt mir endlich der Sack mit den Kartoffeln. Ich bin bedient! Und schwöre: Das nächste Mal lasse ich ihn daheim!

Erschienen am 27. Mai 2008 in der Print-Ausgabe des Journal Frankfurt; Illustration: Peter O. Zierlein

Die aktuelle Kolumne findet Ihr im Journal Frankfurt.

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Petra SpahnPetra ist Kolumnistin beim Journal Frankfurt.
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