So, so, da soll Frankfurt also lebenswerter werden. Ein Stadtplaner namens Denkel will das so. Mehr „High Potentials“ sollen kommen, ebenso „Global Player“, „Business-Nomaden“ und „Weltbürger“. Oh fein. Lauter lovely people. Doch die müssen es natürlich auch schön haben hier. Kein Problem. Zuerst einmal müsste man den ganzen alten Kram auf der Zeil entfernen. Was wir brauchen, sind viel mehr Verkaufsstellen von Ketten. Bäckereien, Metzgereien, Fischgeschäfte. Und dann natürlich Handyläden. Viele, viele Handyläden in der City, für Global Player unverzichtbar. Ebenso wie Shops, in denen man Kaffee im Pappbecher kaufen kann. Ist doch widerlich, dieses zeitverschwenderische Rumsitzen bei einer Tasse Kaffee.
Gott sei Dank sind alte Schuppen wie die Kaufhäuser Ammerschläger und M. Schneider bereits in weiser Vorahnung geschlossen worden. Die Kleinmarkthalle muss natürlich auch weg, dort riecht es nach Leben, das ist widerlich für den Weltbürger. Ebenso wie dieser pestige Markt auf der Konstablerwache. Was denken denn die Weltbürger von uns? Und wenn wir schon mal an der Konsti sind: Noch immer wird dort ja von dunklen Gesellen Haschisch verkauft. Haschisch! Wer nimmt denn noch so was? Wie wäre es denn mit smarten, blonden Koksverkäuferinnen mit Kreditkartenakzeptanz?
Dann die Sache mit den alten Leuten. Man muss schnellstens prüfen, ob es irgendwo noch Lokale gibt, in denen Rentner zu Mittag essen – und sie unverzüglich schließen. Alte Leute mit ihren Wasserbeinen und Stützstrümpfen wirken abstoßend auf die Welt-elite. Am besten, wir ziehen einen Jugendgürtel um die Stadt, den niemand über 45 überschreiten darf. Das löst auch ein anderes Problem, nämlich das jener widerlichen Apfelweinkneipen. Dann entzieht man nämlich diesen Abschaumlokalen die Gäste und kann sie allesamt umwandeln in trendy Szenetreffs, wo man Caipirinha aus den alten Bembeln säuft. Sie müssen natürlich alle gleich aussehen und gleich heißen, sonst ist der Weltmann confused. Ich schlage vor: Oma Rink One, Oma Rink Two, Oma Rink Three undsoweiter, bis Oma Rink Four-O-One. Dann haben wir auch das letzte gemütliche Lokal geschliffen – und Frankfurt ist gerüstet für all die lovely High Potentials. Great Man, Give me Five!
Erschienen am 10. Juni 2008 in der Print-Ausgabe des Journal Frankfurt; Illustration: Peter O. Zierlein
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