Pflasterstrand

Journal-Frankfurt-Weblog

Träumen und Denken

von Nils Bremer, 10. 11. 2009 · 23 Kommentare · Rubrik: Kolumne Beitrag drucken

Haben wir unseren Traumjob gefunden? Allgemeines zustimmendes Gemurmel in der Redaktion. Ein Kollege räuspert sich: „Das nennt man Ex-Post-Rationalisierung“, sagt er. Legen wir uns die Dinge nur zurecht? Wollen wir nur daran glauben, unseren Traum zu leben?

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Traum-Frauen: Suppenmarie, Schauspielerin Sandra Gerling und Choreographin Crystal Pite

Als Kinder haben wir geträumt. Jedes halbe Jahr von einer anderen Zukunft. Als Rennfahrer, Schauspieler, Pilot, Lokomotivführer, Tierärztin, Feuerwehrmann, Modeschöpferin, es gab soviele Möglichkeiten. Ich wollte irgendwann mal Detektiv oder Agent werden, sammelte Geheimdienstspielzeug aus dem Yps-Heft und verkleidete mich an Fastnacht sogar einmal mit Anzug, Pfeife und hellgrauer Aktentasche. Die Kostümierung schlug voll ein: ich wurde als Bank-Angestellter identifiziert. Mehr Undercover ging nicht.

Mit dem Alter träumen wir weniger und denken mehr nach. Wir sehnen uns nach Sicherheit. Einige Frankfurter brechen vom 11. November an wieder aus ihrem Alltag aus – ob als Funkenmariechen oder Fastnachtsprinz. Andere machen ihre Träume einfach im richtigen Leben wahr. So gesehen ist dieses Heft ein Manifest der Selbstverwirklichung. Da finden Sie die Geschichte der Suppenmarie, die ihren Job hinwarf und nun durch Frankfurt mit ihrem Brühwürfel auf Rädern eilt (Seite 30). Da sind die Menschen in unserer Titelgeschichte,
die von sich sagen: „Unseren Traumjob haben wir gefunden.“ (Seiten 41 bis 47). Und da ist die Choreographin Crystal Pite, die im nächsten Jahr am Mousonturm mit ihrer Tanzcompany landet: „Ich freue mich darauf, an einem Ort zu denken und zu träumen.“ (Seite 15). Und vielleicht ist Frankfurt ja ohnehin genau der richtige Ort dafür; ein Ort zum Denken und Träumen.

Welche Träume haben Sie verwirklicht? Und wenn nicht: was hat Sie abgehalten? Darüber würde ich mit Ihnen gerne diskutieren. Schreiben Sie mir – per Mail an chefredaktion@mmg.de oder in das Kommentarfeld gleich hier und jetzt.

Fotos: Dirk Ostermeier, Harald Schröder

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Nils BremerNils Bremer hat Politikwissenschaft in Frankfurt und Amiens studiert, schrieb währenddessen für die Frankfurter Neue Presse, danach für die Welt Kompakt. Seit 2004 beim Journal Frankfurt.
Alle Artikel von Nils Bremer.

23 Kommentare bislang ↓

  • ViolaHollings

    Lieber Herr B., ein Jammer, ach … mir blieb wegen colaflaschenbodendicken Brillengläsern eine Karriere als Modell, Schmuckdesignerin oder Fußballerfrau versagt, so dass ich heute tatsächlich arbeiten muss. Ein Traum wurde wahr, als ich Archäologie studierte und durch Schlamm und Knochenreste robbte, in brütender Hitze Keramik frei pinselte und mir am Spaten keiner was vormachte …bad to the bone. In einem anderen Traum stand ich mit Perlenketten bewaffneten Kommilitoninnen vor Kulturschätzen und bemühte mich um größtmögliche Sprachabstraktion …Beides war von Vorteil.

  • Nils Bremer

    Frau H., wer weiß, vielleicht kommt eine Zeit, in der auch mit Colaflaschenböden bebrillte, modelnde Schmuckdesignerinnen von Fußballspielern abgeschleppt werden? Alles eine Frage des richtigen Zeitpunkts. Ich nehme an, Ihre Frage zielt woanders hin: wer soll das Bruttosozialprodukt steigern, wenn alle nur noch ihren Träumen nachhängen? Aber wenn die Robotik endlich Fortschritte macht, müssen wir uns auch darum keine Gedanken machen (höchstens darüber, ob unsere Helferlein von elektrischen Schafen träumen).

  • ViolaHollings

    Lieber Herr B., ich verdiene Geld mit meinen Träumen. Das ist ein Traum!

  • romulus333

    Liebe Lady H., seien Sie der lästigen Brille dankbar. Sie hat sicher viel persönliches Unheil verhindert. Stellen Sie sich doch mal vor, Sie wären heute eine Fuß-Ballerfrau…könnten Sie das aushalten? Verdienen Sie lieber Ihr Geld mit eigener Arbeit und eigenem Intellekt. So lange es der Traum von (immer weniger werdenden)Frauen ist, Männer für sich arbeiten zu lassen (who the fuck is Intellekt???) können die (immer mehr werdenden) Aufrechten in Sachen Chancengleichheit keinen Blumentopf gewinnen. Meinen Traum habe ich allerdings auch verwirklicht. Ich bin Römer.

  • ViolaHollings

    Lieber romulus, vor allem hat sie mich vor Stürzen … und manchen Abstürzen bewahrt. In der Jugendblüte wirkt sie wie ein Tarnkäppchen – Frau ist praktisch unsichtbar. Eine Baller-MAN-Frau wäre ich wohl auch sehenden Auges nicht geworden.

    Den klassischen Versorger inklusive Kinder, Küche, Korrosion suchen doch die wenigsten Frauen. Verhallt ist der Schillersche Glockenton … „Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben. Muss wirken und streben und pflanzen und schaffen, erlisten, erraffen, muss wetten und wagen, das Glück zu erjagen. … Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau …“

    Dass materielle Abhängigkeit die Partner eher auseinander denn zusammentreibt, hat sich herumgesprochen. Wie sagt ein schottisches Sprichwort: Heirate nie um des Geldes willen! Du leihst es billiger.

    Feiner Traum, der römische. Die Stadt ist Zauber.

  • romulus333

    Liebe Lady H., machen wir es der Redakteurin N. B. nach und zitieren die Glocke rauf und runter? Die wird ja heute, zumindest in hessischen Schulen, nicht mehr gelehrt, nur noch gehört, nach 45 Min als Pausenzeichen….aber da Sie Ihre klassische Bildung bemühen wissen Sie auch, dass es niemals gelingt, mit des Geschickes Mächten einen ewigen Bund zu flechten, auch keine finanzorientierte Ehe, eher werden “Weiber zu Hyänen”….(liebe Frauenbeauftragte….das stammt wirklich nicht von mir!!!). Egal wie, loben Sie die positive Wirkung der Brille.

  • mephisto

    icke steh ja schon irgendwie auf colaflaschenböden bebrillte, modelnde Schmuckdesignerinnen – bin aber keen fußballer…

  • ViolaHollings

    Meine Rede. Es ist nichts so schlecht (auch das Augenlicht), dass es nicht auch etwas Gutes hat. Bei 7 Diopthrin hat man einen – euphemistisch gesprochen – impressionistischen Blick. SIE SEHEN, lieber romulus, ich übertreibe nicht. Vielleicht sollte ich Nageldesignerin werden … die Krallen habe ich ja schon ;-) … by the way: Wer Frauen DURCHSCHAUT, dem entgeht eine Menge. Groucho Marx hat das gesagt.

    Schönheit und Traumberufe liegen im Auge des Betrachters. Ein Traum ist nicht jeden Tag traumhaft, erfüllend aber schon.

  • Jan

    na, das nenn ich einen flirt! und dann mischt sich auch noch der teufel ein. wenn der mal nicht für die fnp schreibt…
    nicht irre machen lassen, liebe viola, folgen sie ihrer bebrillten nase und stehen sie in rom bei fuße.
    in diesem sinne, mit achim reichel, hart am ball,
    ihr jk

  • ViolaHollings

    Das nennt man Flirten auf Teufel komm raus. Obwohl FLIRT ja eigentlich ein Triebzug der Schweizerischen Eisenbahn ist – Flinker Leichter Innovativer Triebzug, mit schneller Beschleunigung. … Thanx Jan, ich werds beHERZigen.

  • mephisto

    teufel kommen selten aus ;-)

  • mephisto

    ….. ähhh, Raus, mein icke natürlich

  • ViolaHollings

    Auch der Teufel ist nur ein Mensch ;-)

  • mephisto

    @VH…und produziert (schreib-)fehler ;-)
    @jk – wenn das mal keine WELT-liche interpretation ist

  • ViolaHollings

    Es gibt Fehler, die nie zu begehen ein Fehler ist ;-)

  • Jan

    ui, ui, nun wird’s aber sophistisch/weltweise. da halt ich’s mit dem teufel von der konkurrenz und bin raus.
    @mephisto: hoffe, man sieht sich mal

  • Nils Bremer

    Jetzt werden hier schon Treffen mit dem Teufel ausgemacht, wer weiß: vielleicht letztendlich Pakte geschlossen. Aufpassen!

  • ViolaHollings

    Lieber Herr B., keine Sorge, noch bin ich nicht von allen guten Geistern verlassen. Wenn schon Teufel, dann in seiner Küche. Lecker Seeteufel.

    … Glaube aber, besagter mephisto hat sich eher vom gleichnamigen Wanderschuh inspirieren lassen. Bin ihm begegnet, konnte keine absolute Negation des Seins feststellen ;-)

  • mephisto

    der teufel ist meistens harmlos – und in dem fall trägt er nicht prada…

  • ViolaHollings

    … stimmt, man muss ihn nur zu nehmen wissen.

  • ViolaHollings

    Gleiches zieht Gleiches an … altes magisches Prinzip. Jetzt hat der Teufel einen Schnupfen. Gute Besserung, in jeder Hinsicht, wünscht Frau Hollings!!

  • Zellenradschleusen

    Frau H. Ich verstehe ihre ironie. Vorzüglich! Und man bedenke der Teufel ist niemals harmlos.

  • ViolaHollings

    Thanx. Übrigens, im Herbst 2010 erscheint mein Buch über den alten Knaben. Bösgrinsekatz ich ;-)

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