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Come on hear the Lemonheads (briefly)

von Ursula, 20. 5. 2007 · Keine Kommentare · Rubrik: Kultur Beitrag drucken

Lemonheads
In Großbritannien war Lemonheads-Sänger Evan Dando in den frühen 90ern eine Art Robbie Williams der Indiemusik: Begabt, extrem attraktiv, absoluter Frauenschwarm, Medienliebling und ständiges Objekt der Sorge, weil man sich öfters fragen musste, ob ihn der nächste Drogenexzess nicht vielleicht doch das Leben kosten würde. Was ihn für den weiblichem Retterinneninstinkt gleich noch ein wenig attraktiver machte.

In anderen Ländern haben es die bereits seit den 80er Jahren existierenden Lemonheads nie über den Indie-Kultband-Status hinaus geschafft, nur die rockige Coverversion von “Mrs. Robinson” dürfte weithin bekannt sein. Dennoch, wer mit Johnny Depp und Courtney Love befreundet ist, Pate der Enkeltochter von Keith Richards ist, und zu Oasis-Hochzeiten mit den Gallagher-Brüdern Lieder dichtete (woraus man übrigens schließen könnte, dass sich Dando und Williams wahrscheinlich auch kennen), der hat,
weltweiter Ruhm hin oder her, in seinem Leben sicher nicht zu wenig Spaß gehabt.

Mit dem Erfolg ging es dann allerdings parallel zu Dandos Drogenproblemen bergab: Nach den Erfolgsalben It’s a Shame about Ray und Come on feel the Lemonheads floppte Car Button Cloth 1996, und Dando löste die Band (deren einziges dauerhaftes Mitglied ohnehin er selbst war) auf, um sich wohl ganz den Drogen zu widmen. Er kehrte erst 2003 zunächst mit einem Soloprojekt zurück, und seit 2006 gibt es nun auch die Lemonheads wieder. Und diese traten in wieder einmal neuer Besetzung gestern abend in der Batschkapp auf.

Nach der wirklich grottenlangweiligen Vorband The Icarus Line, die schlecht imitierten 70er-Jahre-Rock bot, kamen ein paar Roadies auf die Bühne, von denen einer sofort effizient am Bühnenboden herumkroch, um irgendetwas zu verstellen – dennoch brach plötzlich Jubel aus, denn der Bühnentechniker mit Pudelmütze entpuppte sich auf den zweiten Blick als Evan Dando.

Understatement blieb das Thema des Abends: Wer wie die Lemonheads mittlerweile über einen Vorrat von zehn veröffentlichten Alben verfügt, kann sich leisten, die Hits schnell hintereinander wegzuspielen, und genau das geschah auf eine fast verschwenderische Weise: Der Opener “Confetti” ging nahtlos über in Lied auf Lied auf Lied (das Repertoire beschränkte sich dabei hauptsächlich auf die erfolgreichen Alben der 90er Jahre), so dass dem durchaus begeisterten Publikum kaum Zeit zum Jubeln blieb.

Dando kommunizierte, von einigen “Thank you”s abgesehen, kein bisschen mit dem Saal (die anderen Bandmitglieder äußerten sowieso kein Wort). Während er beim Singen zunächst konsequent über die Menschenmenge hinweg starrte, fiel schließlich nach einigen Songs die Wollmütze, so dass er sich fortan hinter seinen Haaren verstecken konnte. Dennoch, und obwohl man das Gefühl nicht loswurde, dass man als Publikum eher störte, wurde jeder Song inbrünstig und vor allem sehr gut vorgetragen, was zu einem einigermaßen paradoxen Gesamteindruck führte: Die Band spielt offenbar gerne, aber nicht gerne für uns?

Nach einer wirklich exzellenten und rührenden Solo-Gitarren-Version von “The Outdoor Type”, einer Ballade zum Thema Camping (!), folgte, dem Tenor des Konzertes folgend, wiederum lediglich ein “Thank you” – Dando weg, keine Zugabe.

Das Konzert hatte um einiges später begonnen als angekündigt, und im Publikum kursierten Gerüchte, dass es Stress zwischen der Band und der Batschkapp gebe. Kam es deshalb zu diesem bizarren Abend, wurde quasi Dienst nach Vorschrift absolviert, oder hat sich Modell Evan 2.0 eine Persönlichkeitsstörung eingehandelt? Drogen sollen ja gar nicht so gesund sein.

Siehe auch: Konzertkritik im Musikportal

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UrsulaUrsula ist freie Mitarbeiterin beim Pflasterstrand-Blog.
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