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Das Schrankstipendium

von , 30. 10. 2009 · 3 Kommentare · Rubrik: Kultur Beitrag drucken

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Nicht ganz am Fuße des Bieberer Bergs in Offenbach, also eher – um im Bild zu bleiben – an dessen Knöchel liegt die alte Mato-Fabrik. Über 40 Künstler haben dort ihre Ateliers, es ist immer wieder ein Ort, um Besonderes zu entdecken. Und demnächst, nämlich im Januar, ist es wieder so weit. Der junge Künstler Jos Diegel, gerade frisch diplomierter Absolvent der Hochschule für Gestaltung, wird sein neues Atelier beziehen: einen Schrank. In der Ankündigung heißt es: “Das mietfreie „Schrankstipendium“ wurde von den Künstlerinnen Verena Lettmayer, Ruth Luxenhofer, Charlotte Malcolm-Smith und Eva Moll und ins Leben gerufen.” Das Großartigste aber war, das zur feierlichen Preisverleihung und somit Schlüsselübergabe auch Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider vorbeikam, entweder, weil er sehr viel Humor hat oder weil er die Ironie nicht verstand. Aber Moment, welche Ironie?
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Charlotte Malcolm-Smith, Eva Moll, Schrankstipendiat Jos Diegel, Verena Lettmayer und Oberbürgermeister Horst Schneider

Eva Moll sagt mit ernstem Unterton: “Der Künstler hat am Ende des zweiwöchigen Stipendiums die Gelegenheit, einen PDF-Katalog zu erstellen, den er natürlich gerne zum Selbstkostenpreis ausdrucken kann.” Und die Nachfrage bei den Vertretern der Stadt nach ihrem Engagement fördert folgendes Zitat zu Tage: “Die Stadt Offenbach unterstützt das Stipendium mit 200 Euro. Das hört sich nicht nur nach viel Geld an, das ist auch viel Geld.” Die Nachfrage, ob es sich um zweihundert oder doch nicht eher zweihunderttausend Euro handelt, erübrigt sich eigentlich, wird aber damit beantwortet, dass dies dann wohl eher der zweite Schritt sei.

Charlotte Malcolm-Smith erläutert, dass vor allem das gute Aussehen des Künstlers eine Rolle gespielt habe, Eva Moll ergänzt, es gehe in diesem Fall auch um eine ästhetische Auffassung von Kunst, Verena Lettmayer spricht von den Stipendien, die der Künstler bereits erhalten habe und wiederum Frau Moll meint, man wolle dieses neue Stipendium ja auch in gewisser Weise aufwerten und Künstler, die keine Stipendien hätten – na, das wäre nichts. Der Kurator des Hauses der Stadtgeschichte, Marcus Frings, erinnert an den russischen Schriftsteller Daniil Charms (1905 bis 1942) und dessen Notiz “Die Kunst ist ein Schrank”. Der Künstler selbst spricht von der Ironiefreiheit dieses Stipendiums, davon, ob es nicht auch ironisch sei, dass Kunsthochschulabsolventen aus Offenbach nach Berlin gingen. Und dann bekommt auch noch Oberbürgermeister Schneider die Kurve. Er sagt: “Ich finde dies hier alles auch überhaupt nicht ironisch und das sage ich mit vollstem Ernst.” Geht doch!

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Nils BremerNils Bremer hat Politikwissenschaft in Frankfurt und Amiens studiert, schrieb währenddessen für die Frankfurter Neue Presse, danach für die Welt Kompakt. Seit 2004 beim Journal Frankfurt.
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3 Kommentare bislang ↓

  • Tweets that mention Das Schrankstipendium | Pflasterstrand -- Topsy.com

    [...] This post was mentioned on Twitter by journal frankfurt, Journal Frankfurt. Journal Frankfurt said: Das Schrankstipendium: Nicht ganz am Fuße des Bieberer Bergs in Offenbach, also eher – um im Bild zu ble.. http://bit.ly/3DOgv7 [...]

  • dk

    Kommt Beschränktheit von Schrank?

  • Uwe Kampmann

    Was die Damen, die das Schrankstipendium möglich gemacht haben besonders auszeichnet, ist ihre Eigenintiative in der sie mit dem Stipendium darauf hinzuweisen, das Künstler bezahlbare Arbeitsräume benötigen. Ich glaube nicht das Oberbürgermeister Horst Schneider, die Ironie die sich durch die ganze Veranstaltung zog, wahrgenommen hat. Wahrgenommen bei Veranstaltung in der MATO Fabrik hat Horst Schneider allerdings die Anwesenheit seines Herausforderers Uwe Kampmann, der bei der nächsten Wahl für das Amt des Offenbacher Oberbürgermeisters antreten wird. Wenige Tage nach der Vergabe des Schrankstipendiums an Jos Diegel, konnte OB Horst Schneider in der Frankfurter Rundschau die Schlagzeile lesen: OB Schneiders erster Herausforderer – VERWEGEN WIE FIDEL CASTRO – sein Herausforderer, Uwe Kampmann, Amateurboxer beim OFC, gibt die Richtung vor. Im Ring gibt es Regeln aber keine Gnade für den Gegner. Horst Schneider wird unter Umständen bei der nächsten Schrankstipendium, nicht mehr im Amt sein.

    http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/stadt_offenbach/2058209_OB-Schneiders-erster-Herausforderer-Verwegen-wie-Fidel-Castro.html

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