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Der Popolskishow – schwjarzwaiß und chjetzt auch in bjunt

von Günther Michels, 15. 1. 2009 · Keine Kommentare · Rubrik: Aufgeschnappt, Kultur Beitrag drucken

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Sollte der Haufen nun wirklich eine Familie sein – dann möchte ich gerne adoptiert werden. Gestern hab ich echt Rotz und Wasser gelacht – oder heißt das nicht geheult? Egal, das ganze Publikum im Sinkkasten hatte Tränen in den Augen und hielt sich die Bäuche. Hab mich auf ein Konzert eingestellt. War’s auch. Aber mit Kabaretteinlagen und Einstiegsgeschichten der Extraklasse. Man kennt das ja, manch einer kündigt seinen Song kurz an, andere müssen noch Trara erzählen, den man sich auch sparen kann, aber hier hat einfach alles zusammengepasst. So ist man anfangs leicht empört, wenn man erfährt, dass die Untermieterin Frau Tripovski immer mit dem Besen an die Decke gehauen hat, wenn die Band nachts um halb fünf Songs einstudierte. Das hat dann immer „Bumm bumm“ gemacht – für’s Publikum wurde das mit dem Schlagzeug verdeutlicht. Und der Obermieter, Hausmeister Sladovitch, hat immer eine Wodkaflasche gegen die Wand geschmissen, weil es so laut war. Das wurde dann mit dem Becken und mit „Drsch Drsch“ nachgeahmt. Und wieder „Bumm bumm“ und „Drsch drsch“- beides abwechselnd und schneller werdend. Die Gitarren steigen mit ein, die Trompete auch und schon ist man mitten im nächsten Song.

Ich weiß jetzt auch, weshalb sich unsere Sprache teilweise so kalt und langweilig anhört. Es fehlen einfach die unzähligen „k“s und „i“s. Also in jedem Wort. Bessritschki gesagtski in jedem Wortski. Und wie viel schöner und angenehmer ein Satz doch klingt, wenn man einfach die Artikel wahllos vertauscht. Was ich nicht gestern alles gelernt hab. Und dass die alte Opa Pjotr Popolski schon längst vor den Amis auf die Mond war. Dort getanzt hat. Dem Gebiet mit einer Polenflagge markiert hat und – ja klar – mit seinem Kumpel Drizkonivski eine Wodkaflasche platt gemacht hat. Und da kommt dann der Armstrong, tut groß mit seinem Schritt für die Menschheit und so weiter. Aber dann. Da stößt er auf einmal auf die leere Wodkaflasche des alten Popolski. Endlich weiß ich, was der berühmte Satz eigentlich bedeutet: „Houston, wir haben ein Problem“. Und das war dann auch der Einstieg für die Popolski-Bukovina Version von Prodigys Out of Space. Herrlich wie man doch rumexperimentieren kann.

popolski-hochDie Vielseitigkeit querbeet durch die Musikgenres haben zum einen schon das Niveau der Band verdeutlicht. Dann noch der perfekt eingebaute Humor. Und nicht zu vergessen: Die ganzen Wodkas nach jedem Song und die komplette Flasche in der 15minütigen Wodkapause. Die netten Musiker wollten ja gar nicht trinken, aber in Polen ist es Gesetz und deren Gewerkschaft schreibt vor, alle paar Stunden eine kurze Wodkapause zu machen. Man will ja nicht das da am Ende noch jemand Ärger bekommt. Also sauft ruhig. Die „Familie“ ist nicht verkommen, einfach etwas anders. Auch der Daniatsch, das schwarze Schaf, hatte nur ein Gastspiel in der Pornoindustrie. Was er den Zuhörern dann auch im Glitzermorgenmantelfummel als Ballade erzählte. Beim Song „Porn to be alive“. Irgend ein Stiebitzer hat sich das dann geklaut und das Born-Lied daraus gemacht. So wie eigentlich bei 90 Prozent aller Chartklassiker. Die sind in Wirklichkeit nämlich alle in Opa Popolsiks Keller entstanden. Die Knaller wurden schon auf dem polnischen Festival Woodstockski gespielt. Mit der Friedensgurki. Ja, und hier gab’s im Nachhinein dann auch wieder die billige Ami-Nachahmung. Hätte man doch da mal besser ein gescheites Copyrightschki gemacht.

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