
Man kann nicht immer Nein sagen. Und obwohl ich es in all den langen Jahren, in denen ich als Musikjournalist arbeitete, meist vermieden habe, mich als Jury-Mitglied verdingen zu lassen, sagte ich diesmal beim Endspiel des 6. Hessischen Schul-Bigband-Wettbewerbs zu. Und so saß ich dann – mitten im gut gefüllten Sendesaal des HR – auf dem Präsentierteller, wurde – wie die anderen Juroren Örjan Fahlström (hr-Bigband-Chef), Alan Jacobsen (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main – HfMDK) und Olaf Stötzler (hr-Bigband-Manager) – von Moderator Dr. Jürgen Schwab vorgestellt und durfte in die Runde winken. Drei Bands hatten es ins Endspiel des zweijährlichen Wettbewerbs geschafft. Die Bigband der Humboldtschule Bad Homburg („HUSsiten“), die Bigband des Gymnasiums am Mosbacher Berg Wiesbaden und die IKS Swing Kids aus Rüsselsheim, Sieger der Jahre 2006 und 2008 und schon als das „Bayern München unter den Schüler-Bigbands“ anmodiert.
Den Anfang machten aber die Homburger, ein 27-(!) köpfiges Ensemble mit neun Saxophonen, drei Klarinetten, vier Trompeten und fünf Posaunen allein im Bläsersatz, fliegender Wechsel am Schlagzeug und am Flügel inklusive. Denn genügend musikinteressierte Schüler gibt es an Humboldtschule. Schön zu hören. Und die legten dann auch gleich mit Verve und Drive los. Auf dem Programm: „Dancin’ Fool“, der „Mambo Swing“ und „Enter Sandman“ von Metallica. Also rockte das Ganze mehr als es swingte, für mich kein Malus when jazz rocks. Die „HUSsiten“ hatten das älteste (ein Vater dreier Töchter an der Trompete) und das jüngste Bandmitglied, Calvin (12) am Saxophon, vorzuweisen. Er spielt seit drei Jahren eine heiße Kanne.
Die Wiesbadener begannen dagegen fast verhalten. Und das ausgerechnet mit einem Stück namens „Hay Burner“ (gefolgt von „Chicken“ und „Corner Pocket“), das so gar nicht „brennen“ wollte. Nice, smooth, aber immerhin – vom Anspruch her – Swing, aber ohne die letzte Nummer, die funky war (nicht nur von der Gitarre her) und eher ein schweres New-Orleans-Feeling verbreitete, irgendwie Jazz-Rock war, blieb der Vortrag eher mau. Immerhin: die Mosbacher vom berg featurerten ihre Solisten wie man es kennt von Bigband und schickten sie – anders als die Homburger – alle ans Solistenmikro.
Dann die (leicht) favorisierten Swings Kids vom Immanuel-Kant-Gymnasium. Hatte mich das mit dem Bayern München beeinflusst, dass ich sie von der Präsentation her ein wenig zu „professionell“, selbstbewusst und sogar ein wenig affig fand? Der Dirigent ganz jugendlich in roten Turnschuhen, die Musiker mit roten Schlipsen oder roten Blüten am Revers oder im Haar. Dazu auf Wirkung bedachte Ansagen. Ok – da sie von allen Schüler-Bigbands im Jahr die meisten Auftritte absolvieren, haben sie da ganz klar einen Entertainment-Bonus. Das merkte man schon beim Opener „I Wanna be Like You“ aus dem „Dschungelbuch“ mit allerlei wilder Geräuscherzeugung (Tierlaute u.Ä.) und einem Solisten am Ende des Stückes, der einen Schlag auf ein Percussioninstrument (Metall mit Feder, so sah’s aus) als Schlusspunkt setzte und dafür vom Dirigenten gefeiert wurde als Solist am „Oyoyoy“. Eine nette kleine Effekthascherei. Die „Stolen Moments“ und „Rompin’ At The Reno“ zeigten dann schon die Klasse der Band.
Dann der Rückzug der Jury. Kein leichtes Unterfangen und eigentlich doch eine klare Angelegenheit. Die Wiesbadener auf 3, ganz klar. Zu berechenbar, nicht wirklich gut beim Swingen und ohne die letzte Nummer, na ja. Die Homburger, klar, die hatten besonders viel Spaß am Spiel, eine tolle Energie, ein anderes Repertoire als das gängige. Nur musste ich dann von den Profis Fahlström und Jacobsen lernen (solche Formaloen habe ich eigentlich nicht auf dem Schirm, höre zudem eher emotional als „technisch“), dass die HUSsiten “gar keine Bigband im klassischen Sinne” sind, sondern ein Wind Orchestra bzw. eine Brassband („a big band, not a bigband.“), das eigentlich seine Besetzung hätte reduzieren müssen. Hätten sie also gar nicht ins Finale kommen dürfen, hätte man sie vorher reglementieren und von Vornherein ausschließen müssen? Zu unisono, keine wirklichen Solistenfeatures, aber echte kollektive Energie – ein wenig mehr Finesse und sie sind auf dem richtigen Weg, egal wie man es dann nennen mal. Platz 2 also (es sind ohnehin alle Finalisten Sieger, gell…) – denn es geht hier vor allem auch ums Ermuntern und Ermutigen.
Dann die Argumente des Bigband-Chefs für die Swing Kids, denen man beipflichten musste. Denn sie hatten „all ingredients of a good big band“: good ensemble work, good solo work, dynamics, time and groove, auch Routine und ein klar erkennbares Konzept. Sie (wieder) als Sieger zu erklären, sende auch das richtige Signal. Gesagt getan, verkündet. Eine schöne Erkenntnis am Rande – in allen drei Ensembles gab es einen hohen Frauenanteil von neun bzw. sieben Musikerinnen in den letzten beiden Bands. Olaf Stötzler und Örjan Fahlström, der beim HR ohne Frauen in der Bigband auskommen müssen, begrüßen das, hoffe, dass die Mädchen dabei bleiben und gefördert werden. „Ein gutes Zeichen“, so Fahlström, „gerade auch unter gesellschaftlichen Aspekten.“ Bleibt zu hoffen, dass sich auch die eine oder andere (etwa die auffallend gute Kontrabassistin der IKS’ler oder eine der Baritonsaxophonisten aus Bad Homburg oder Wiesbaden) in der Workshop Band wieder findet, die im festivalfreien Jahr von Solisten der hr-Bigband gecoacht werden. Denn die Nachwuchsarbeit des Hauses findet auf mehreren Ebenen statt; Wettbewerb, Solistensichtung (gerne auch aus Bands, die nicht teilgenommen haben), die Hessen Schultour der Bigband mit Jam Sessions in den Schulen, Proben- und Soundcheck-Besuche. „Ich sehe es als unsere Aufgabe als Hessischer Rundfunk, da eine Plattform zu bieten, den Lehrern und Schülern ein Ziel zu geben mit Wettbewerb, Möglichkeit von Studioaufnahmen als Gewinn und Radioausstrahlung der Auftritte“, sagt Stötzler. Am Sonntag, 15.8., 19 Uhr wird das diesjährige Finale auf hr2 noch mal zu hören sein.
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Detlef Kinsler ist Musikredakteur beim Journal Frankfurt. Er verfasste eine vielbeachtete Biographie über die Band Element of Crime (über die er auch seine Magisterarbeit schrieb), ist Mitautor des Rocklexikons "Rock in Deutschland" und arbeitete als Redakteur für die legendäre Musiksendung hr 1 SchwarzWeiss.
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Leute-Reporter Jens Prewo
Dany Cohn-Bendit
Michi Herl ist der Stadtgucker
Christoph Schröder war vor Gericht
Petra Spahn ist der Hausdrache
Herr P. fährt Bahn
Werner Freiberg // 26. 5. 2010, 18:43
Ziemlich anstrengend zu lesen, Ihr Text, und etwas voreingenommen klingt er zumal auch noch.
Mainbube // 26. 5. 2010, 20:34
Ja, also, ziemlich viele Buchstaben….
Werner Freiberg // 26. 5. 2010, 22:37
Lustig. ;-) Es ging mir viel mehr um die Wirr-warr-Satzstruktur.
Mainbube // 27. 5. 2010, 07:06
Und ich finde ihn einfach nur sehr lang.
dk // 27. 5. 2010, 09:49
Und ich hätte gerne mal erfahren inwiefern voreingenommen…