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All night long

von Nils Bremer, 5. 11. 2008 · 3 Kommentare · Rubrik: Politik Beitrag drucken


Auf dem kleinen Schild vor dem election cake steht: “Oooh” and “aaah” freely. Please do not “mmmm”. Thank you!

Es war eine kurze Wahlnacht, die Entscheidung stand schon recht früh fest, Barack Obama heißt der neue amerikanische Präsident. Vielleicht ist es deswegen recht ruhig als ich um etwa halb sieben das Westin Grand an der Konstablerwache betrete zur All Night Election Party 2008 des US-Generalkonsulats Frankfurt. Die Panel-Diskussion läuft schon, im Auditorium schauen einige Menschen mit zerfeierten Mienen zu, manch einer drückt auch schon beide Augen zu. McCain hat verloren, aber das stört hier niemanden. Uwe Becker, Frankfurts Stadtkämmerer, der gleich mit der Generalkonsulin Jo Ellen Powell die election cakes anschneiden wird, sagt: “Für uns ist der Unterschied zwischen McCain und Obama nicht so groß. Ich glaube sogar, dass viele, die jetzt noch jubeln, sich bald wundern werden. Was aber richtig ist: mit Obama wird es auch einen Neubeginn in den transatlantischen Beziehungen geben.”


Uwe Becker, Frankfurts Stadtkämmerer, und Jo Ellen Powell, US-Generalkonsulin, cutten die election cakes.

Die Generalkonsulin ist auch zufrieden. Ein Fernsehreporter fragt sie, ob sie nicht auch in Hessen das amerikanische Wahlsystem einführen wolle. Will sie nicht. Nur einige Schritte entfernt: Udo Corts, ehemaliger hessischer Kultusminister und Frankfurter CDU-Größe, außerdem in den USA aufgewachsen und so von Haus aus der Nation schon verbunden. “Ich wäre ja eigentlich für Hillary gewesen. Ich habe es bewundert, was für einen großartigen Wahlkampf sie geführt hat.” McCain – da hätte er auch nichts gegen gehabt, trotz Frau Palin. “Wissen Sie, die amerikanische Nation hat eine über 200-jährige Demokratiegeschichte. In dieser Zeit hat sie erstaunliche Selbstheilungskräfte gezeigt. Und Sarah Palin wäre nicht die erste Vizepräsidentin gewesen, die für das Amt ungeeignet schien.” Ich stimme ihm zu und sage noch, dass ja auch McCain eigentlich liberale Positionen vertreten hat, bevor er in den Präsidentschaftswahlkampf eintrat. “Dass man mit rechten Parolen eine Wahl verlieren kann”, sagt Corts, “haben wir ja auch im Januar in Hessen gesehen.”

Ach, welch Glück, wenn ein Politiker nicht mehr Politiker ist und frei reden darf. Was ist denn eigentlich mit Hessen, Herr Corts? “Es ist gut, dass es so gekommen ist. Natürlich kann man sagen: warum haben die drei SPD-Abgeordneten das nicht früher gesagt? Aber es ist immer noch um Welten besser als das, was einst in Schleswig-Holstein mit Simonis passiert ist. Nun muss es einen Neuanfang geben, Neuwahlen. Das wird die nötige Bewegung in den politischen Konstellationen bringen.” Dann sagt Corts noch, dass nun erstmal über die Linke neu nachgedacht würde. “Die hätten sonst die SPD bei allen kommenden Wahlen vor sich her getrieben. Und Lafontaine, dieser Psychopath, hätte erstmal weiter Kreide gefressen.” Psychopath? Haben Sie das wirklich gesagt? “Ach, schreiben Sie’s ruhig, so wichtig bin nicht mehr.”

Mittlerweile haben Powell und Becker den Cake angeschnitten, wobei die Konsulin betont, dass es nichts zu bedeuten habe, dass sie das Symbol der Demokraten als erstes weggesäbelt hatte. “Die andere Seite kommt auch noch dran.” Ein Mann mit Armeehaarschnitt intoniert patriotische Lieder, der Kuchen ist amerikanisch-süß, Gift für mich, wie mein Chef sagen würde, aber probiert habe ich ihn trotzdem. Eine ältere Dame mit glitzerndem Obama-Sticker sitzt erschöpft in der Ecke, einige junge Frauen unterhalten sich angeregt über die Oldtime im Hotelfoyer und sehen dabei noch so frisch aus, als würden sie gerade vom Set von Sex and the City kommen, irgendwo schwirrt noch dieses Team von German TV herum, also der ARD und einige zertretene Starbucks-Becher werden von Bediensteten aufgehoben. Die All Night Election Party 2008 ist vorbei, wir sehen uns in vier Jahren wieder. Als ich in die Redaktion komme, habe ich eine E-Mail in meinem Postfach. Sie ist von Barack, der mir oft schreibt, seit ich mich bei seiner Website angemeldet habe:

Yep, das geht runter wie Öl.

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Nils BremerNils Bremer hat Politikwissenschaft in Frankfurt und Amiens studiert, schrieb währenddessen für die Frankfurter Neue Presse, danach für die Welt Kompakt. Seit 2004 beim Journal Frankfurt.
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3 Kommentare bislang ↓

  • mephisto

    Yes, they can! Die Amis können es – im Gegensatz zu uns hier in Beinahe-Ypsiland. Wir dürfen gespannt sein, wie der Psycopath die gute alte Tante SPD sehr bald im Saarland vor die erneute Zerreißprobe stellt.

  • Carol Hunter

    Thank you for showing pictures of my cakes in your article. However, I take exception to your statement that they are “American sweet”. The cookies that Stabucks was serving were so sweet I could not stand more than one bite. Yes, the frosting (icing) is, indeed, sweet. Without the sugar, I couldn’t work with it. However, because the frosting is sweet, I always cut the sugar in the cake recipe (I do not use cake mixes) by 1/3 to 1/2. This makes a nice balance. If you had examined the chocolate cake very carefully, you would have seen that the frosting layer was so thin that the cake actually showed through in some places. A very good way to avoid too much frosting is, of course, to wait until the edge pieces have been given out.

    I am available to create custom-made cakes for all occasions, including birthdays, baptisms, confirmations, weddings, and I hope to have the opportunity for you to try my cakes again at the next election party in 4 years.

  • Nils Bremer

    Okay: I got the edge piece – I’m sure the rest of the cake was fine. Will definitely taste it again in 2012.
    Nils

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