
Durch die Ankunft der Karawane an Baumfäll-Maschinen, Fraport-Transportern und Kastenwagen der Polizei im Kelsterbacher Wald, hat sich die Anzahl der Waldbesetzer-Parteien sozusagen verdreifacht. Die Vertretung von Recht und Ordnung – ob nun die des Gesetzgebers, des Flughafenbetreibers oder der heimischen Waldnatur – sollte wohl zu einem gewaltigen Zusammenstoß führen. Passierte aber nicht. Zumindest bisher noch nicht. Das Gelände um das Hüttendorf wurde lediglich mit Bauzäunen abgeriegelt. Eine gewisse Panik entstand jedoch bei den Waldaktivisten, als die Polizeibeamten mit einem Großtrupp in die Siedlung drangen.
Der Auflauf galt aber dem von den Waldis angelegten Bunkersystem. Immerhin brauchte das technische Team acht Stunden, um die fest gekettete Person aus der unterirdischen Verankerung zu befreien. Leichter gesagt als getan. Nach Angaben der Besetzer sind die Polizisten freundlich und äußerst kulant vorgegangen. Vor allem bei den technischen Mitarbeiter habe man gemerkt, dass diese „nicht aufs Knüppeln getrimmt seien“, teilte man im Lager mit.

Rechtliche Konsequenzen solle es nach Angaben des Einsatzleiters Peter Seiler keine geben. Die Andockvorrichtung an dem Betonklotz war ursprünglich für zwei Personen gedacht. Der Eingebunkerte wählte aber die Position des Kollegen, da er so näher bei den Vorräten wäre. Nach Versicherung seitens der Ordnungshüter es würde keine Räumung durchgeführt, auch keine rechtlichen Konsequenzen folgen, sondern es sei lediglich die Zuschüttung des Tunnelsystems beabsichtigt, wollte der Besetzer auch aus dem Loch wieder heraus. Tja. Nun war aber die Festschnallvorrichtung des Kollegen um einiges zu eng und so mussten die Bolzenschneider und jegliches Durchtrenngerät von dem Spezialteam der Polizei nun doch unter Tage gebracht werden. Abends konnte der Losgeschnittene dann zum Durchchecken ins Krankenhaus gebracht werden.

Zum Glück wird auf das Wohlergehen der Menschen solcher Wert gelegt. Im Gegensatz zu den Waldbäumen. Die fallen nämlich momentan eifrig am Stück. Die großen Rodungsmaschinen, sogenannte Harvester, sollen bis zum Beginn der Vegetationsperiode Ende März die ersten 92 Hektar platt machen. Mit dem Rest der rund 250 Hektar geht’s dann im September weiter. Den Besetzern stellt sich nun die Frage, wie es mit der Fläche um ihr Dorf ausschaut. Findet die Räumung nun jetzt schon statt oder bleibt Zeit bis zum Herbst?
Seitens der Polizei hieß es, die Besetzer könnten erst mal bleiben wo sie sind. Fraport teilte ebenfalls mit, dass lediglich die Flächen für die geplante Brücken über die Autobahn freigelegt werden, damit hier schon die Bauarbeiten beginnen könnten.
Das Zaunkonstrukt, das noch vergangene Woche auf mysteriöse Weise aus seiner Verankerung gehoben und Meter weiter demoliert wiedergefunden wurde, ist mittlerweile durch ein Riesenaufgebot an Fraportsecurity gesichert. Gut sichtbar in neongelb leuchtenden Westen. An jeder Ecke einer. Anscheinend aber doch nicht an jeder Ecke, denn für kurze Zeit konnte von zehn Flughafenausbaugegnern eine Rodungsmaschine okkupiert werden. Wieder mit einer Festkettaktion. Die Arbeiten seien angeblich nicht beeinträchtigt worden und man ließ die Betroffenen nach kurzer Zeit wieder frei. Auch wir konnten mühelos ins Gelände marschieren und fotografieren. Mussten wohl ein kleines Aufmerksamkeitsloch an der großen Einfahrt abgepasst haben.
Es stand hier auch niemand in neongelb herum. Aber nach einigen Minuten – und auch einigen schönen Fotos – wurden wir über unsere Unwissenheit des nicht erlaubten Aufenthalts auf dem Wanderweg aufgeklärt. Es sei zu gefährlich in dem Gebiet – man müsse ansonsten die Polizei rufen. Da geht man besser. Aber die fünf Rentner, die den Spazierweg täglich nutzen, diskutierten fleißig weiter mit dem Mann in Neongelb.
Fotos: Günther Michels
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Schlagworte: Flughafen·Fraport·kelsterbach·kelsterbacher wald·protest·waldbesetzer·waldcamp






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