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Der deutsche Herbst kehrt zurück

von Nils Bremer, 30. 1. 2007 · Keine Kommentare · Rubrik: Links, Politik Beitrag drucken

Guten Morgen! Der deutsche Herbst ist wieder da, seit die Gefangenen um Gnadengesuche beziehungsweise vorzeitige Haftentlassung bitten. Heute früh gerade ein bisschen im Spiegel gelesen, der die Ex-Terroristen wieder aufs Titelblatt gehoben hat. Allein schon diese Namen: Klar, Mohnhaupt, Baader. Oder Schleyer, Ponto, Herrhausen. Meier, Müller, Schulze – diese Namen taugen nicht für solche Geschichten. Gut, Helmut Schmidt bildet da eine Ausnahme, aber was ist von Helmut Schmidt geblieben außer einem riesigen Berg Kippenreste. Wer den Duktus der RAF-Mitteilungen einmal im Wortlaut lesen möchte, kann das auf der Seite www.extremismus.com. In einem Schreiben nach der Ermordung von Hanns-Martin Schleyer heißt es lapidar: “Wir haben nach 43 Tagen Hanns-Martin Schleyers klägliche und korrupte Existenz beendet.”

Vor sechs Jahren besuchte der Reporter Martin Schmitz vom Journal Frankfurt Birgit Hogefeld im Frankfurter Frauengefängnis. Er schrieb:

Am 27. Juni 1993, kurz nach 15 Uhr, endete ihre Karriere in der RAF auf einem Bahnhof in einer mecklenburgischen Kleinstadt. [...] “Damals dachten wir, das wäre der einzige Weg, etwas zu verändern”, versucht sie zu erklären: “Inzwischen weiß ich, dass einerseits die Isolierung der RAF und andererseits die Eskalation der Mittel Fehler waren.” Ganz neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht: Einen ersten Schritt in diese Richtung gingen Hogefeld und ihre Mitstreiter schon vor der Verhaftung. In der sogenannten “Deeskalationserklärung” leitete die RAF im April 1992 das Ende der blutigen Anschläge ein. Sie versprachen, vorerst keine “Angriffe auf führende Repräsentanten aus Wirtschaft und Staat” mehrdurchzuführen. Sachbeschädigung war mit dieser Erklärung freilich nicht ausgeschlossen. “Weiterstadt sollte ein Signal sein, um zu zeigen: “Wir sind handlungsfähig, also bewegt Euch!” sagt Hogefeld. Das erklärte Ziel war, die Situation der inhaftierten RAF-Terroristen zu verbessern. Erreicht wurde damit aber nichts. Stattdessen ist Hogefeld jetzt selbst inhaftiert. “Es gibt keine RAF mehr, und deshalb gibt es auch keinen Handlungsbedarf mehr in Bezug auf die Gefangenen”, resigniert sie. Es bleibt nur die Hoffnung, die Regierung würde – wie angekündigt – bei der Behanldung der RAF-Häftlinge wirklich auf “Normalität” setzen. Auf Druck und Unterstützung von außen hofft sie nicht mehr: “Wen interessiert denn heute schon, was mit mir und den anderen passiert?”

Sechs Jahre später interessiert es die Politiker wieder, muss es sie interessieren, weil wieder Anträge auf Freilassung eingegangen sind. Birgit Hogefelds Zeit ist noch nicht um. Sie hat drei Mal lebenslänglich bekommen.

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Nils BremerNils Bremer hat Politikwissenschaft in Frankfurt und Amiens studiert, schrieb währenddessen für die Frankfurter Neue Presse, danach für die Welt Kompakt. Seit 2004 beim Journal Frankfurt.
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